Die Frank­fur­ter Be­stän­de des Main­zer Na­tio­nal­thea­ters (1788-1792)

Aufgeschlagenes Notenbuch
(Photo: Laura Brichta)

Vor­ha­ben

In Ko­ope­ra­ti­on mit der Spe­zi­al­samm­lung „Mu­sik, Thea­ter“ der Uni­ver­si­täts­bi­blio­thek Frank­furt (Dr. Ann Kers­t­ing-Meu­le­man) so­wie der Frank­fur­ter Zen­tral­re­dak­ti­on des Ré­per­toire In­ter­na­tio­nal des Sources Mu­si­ca­les (RISM) wer­den die ver­streut er­hal­te­nen Be­stän­de des Main­zer Na­tio­nal­thea­ters (1788-1792) un­ter Fe­der­füh­rung von Prof. Dr. Fa­bi­an Kolb voll­stän­dig di­gi­ta­li­siert, ti­ef­en­er­schlos­sen und be­schrie­ben so­wie vir­tu­ell wie­der zu­sam­men­ge­führt und als „ge­schlos­se­nes“ Re­per­toire-Kor­pus prä­sen­tiert (Pro­jekt­sei­te: https://samm­lun­gen.ub.uni-frank­furt.de/mainz­thea­ter).

Wei­ter­hin gibt es eine Be­schäf­ti­gung mit dem viel­schich­ti­gen Quel­len­kor­pus (Di­ri­gier­par­ti­tu­ren, Stim­men, Rol­len­hef­te, Text­bü­cher, Par­ti­tur­dru­cke) aus der Per­spek­ti­ve der His­to­ri­schen In­ter­pre­ta­ti­ons­pra­xis und der künst­le­ri­schen For­schung im Ver­bund mit dem In­sti­tut für His­to­ri­sche In­ter­pre­ta­ti­ons­pra­xis un­ter der Lei­tung von Prof. Eva Ma­ria Pol­le­rus.

 

Um­set­zung

Ge­mein­sam wird die spe­zi­fi­sche Be­ar­bei­tungs- und Ein­rich­tungs­pra­xis des Re­per­toires für das Mainz-Frank­fur­ter En­sem­ble er­grün­det, dis­ku­tiert und – vor al­lem – künst­le­risch und mu­si­ka­lisch-prak­tisch er­probt und er­forscht, in­klu­si­ve der spe­zi­fi­schen Ein­la­gen (zu­meist aus der Fe­der des in Mainz und Frank­furt wir­ken­den Sän­ger­kom­po­nis­ten und Opern­re­gis­seurs Carl Da­vid Steg­mann), Strei­chun­gen, Trans­po­si­tio­nen, Än­de­run­gen in der Be­set­zung, Fra­gen der deutsch­spra­chi­gen Über­set­zun­gen etc.

 

Ziel

Die Be­son­der­hei­ten der spe­zi­fi­schen Mainz-Frank­fur­ter Fas­sun­gen kön­nen so an Pro­fil ge­win­nen und vor dem Hin­ter­grund bzw. im Wech­sel­ver­hält­nis mit den zeit­ge­nös­si­schen In­stru­men­tal- und Ge­sangs­prak­ti­ken Ge­stalt an­neh­men. Auch die his­to­risch zeit­ge­nös­si­schen Prak­ti­ken der Ein­rich­tung und Be­ar­bei­tung für die Kam­mer (wie sie z. B. in zeit­li­cher und räum­li­cher Nach­bar­schaft beim 1780 ge­grün­de­ten Ver­lag des kur­fürst­lich pri­vi­le­gier­ten Hof­mu­sik­ste­chers Bern­hard Schott in Mainz er­schie­nen) rü­cken in den Blick.

Mün­den soll die­se in­ten­si­ve wis­sen­schaft­li­che und künst­le­ri­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit den Quel­len u. a. in ei­ner kon­zer­tan­ten Wie­der­auf­füh­rung ei­ner re­prä­sen­ta­ti­ven Aus­wahl von ver­schie­de­nen Num­mern und Stü­cken aus den Opern, die ex­em­pla­risch die Viel­falt des Re­per­toires wie die un­ter­schied­lich ge­la­ger­ten Be­son­der­hei­ten der spe­zi­fi­schen Mainz-Frank­fur­ter Ver­sio­nen in his­to­ri­scher Auf­füh­rungs­pra­xis er­leb­bar macht.

 

His­to­ri­sche Ein­ord­nung

In den vier Jah­ren sei­nes Be­stehens (1788-1792) wur­de das Main­zer Na­tio­nal­thea­ter zu ei­ner der füh­ren­den Büh­nen im deutsch­spra­chi­gen Raum. Un­ter der Lei­tung von Fried­rich Karl von Dal­berg be­spiel­te das En­sem­ble das Main­zer Co­mö­di­en­haus, die Som­mer­re­si­denz in Aschaf­fen­burg und jähr­lich von Mit­te April bis Mit­te Mai so­wie von Ende Juni bis Ende Ok­to­ber die Büh­ne in Frank­furt. Zu den Hö­he­punk­ten ge­hör­ten die ers­te deutsch­spra­chi­ge Auf­füh­rung von Mo­zarts „Don Gio­van­ni“ 1789 und Fest­auf­füh­run­gen zu den bei­den Kai­ser­krö­nun­gen 1790 und 1792. Das Thea­ter bot ein am­bi­tio­nier­tes Re­per­toire, das die Mu­sik­thea­ter­kul­tur des spä­ten 18. Jahr­hun­derts re­prä­sen­tier­te. Als das Na­tio­nal­thea­ter 1792 we­gen des Ein­marschs der fran­zö­si­schen Re­vo­lu­ti­ons­trup­pen in Mainz schlie­ßen muss­te, wur­den sei­ne Be­stän­de ver­kauft, wo­bei ein Teil der No­ten­ma­te­ria­li­en zu Pa­tro­nen ver­ar­bei­tet wur­de. Trotz­dem sind ei­ni­ge der Mu­si­ka­li­en er­hal­ten ge­blie­ben, dar­un­ter Auf­füh­rungs­ma­te­ri­al zu 16 Opern in der Frank­fur­ter Uni­ver­si­täts­bi­blio­thek so­wie wei­te­re Quel­len zu 31 Opern in an­de­ren eu­ro­päi­schen Bi­blio­the­ken und Ar­chi­ven. Ins­ge­samt ist so ein durch­aus re­prä­sen­ta­ti­ver Teil des Re­per­toires der über 70 nach­weis­ba­ren Mu­sik­thea­ter­wer­ke über­lie­fert, was Ein­bli­cke in die Spiel­plan­ge­stal­tung und Auf­füh­rungs­pra­xis des spä­ten 18. Jahr­hun­derts bie­tet.

 

Prä­sen­ta­ti­on und Er­geb­nis­se

Ers­te Er­geb­nis­se wur­den beim Tag der For­schung 2023 an der HfMDK vor­ge­stellt. Wei­te­re Ent­wick­lun­gen zu die­sem For­schungs­the­ma wer­den fort­wäh­rend ak­tua­li­siert.

Fra­gen & Kon­takt

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