Pracht am Rhein

Besuch Geigenbauer Jacobi
Besuch der GFF beim Geigenbauer Jacobi in Geisenheim(Foto: Emiliano Proietti)

Werkstattbesuch bei einem Meister des Geigenbaus und der Restauration

Computertomographie, Inlays, Wurmkuren – der Ausflug in den Rheingau führte die Freunde und Förderer der HfMDK nicht etwa ins Rüdesheimer Klinikum, sondern – wenige Kilometer entfernt – in die Werkstatt des Geisenheimer Geigenbaumeisters Andreas Jacobi.

Unlängst hatte die Gesellschaft der Freunde und Förderer der HfMDK den Ankauf eines historischen Knopf-Cellos mitsamt eines dazu passenden Cellobogens von Thomas Acker für die Studierenden ermöglicht. Als Dankeschön durften die Spenderinnen und Spender in der Werkstatt von Herrn Jacobi einen Blick hinter die Kulissen der Restaurationskunst werfen.

Filigrane, an Mikrochirurgie erinnernde Handarbeit und moderne Bildgebungsverfahren sind nicht die einzigen Zutaten, mit denen Jacobi seinen teils mehrere hundert Jahre alten Patienten zu neuem Klang und Glanz verhilft. Auch gutachterliche Expertise in der Geschichte des Geigenbaus sind unabdingbar. Nur wer regionale Schulen, Personalstile und Schaffensphasen kennt, kann herausarbeiten, was an einem Instrument noch original ist und was verändert, was aus mehreren Instrumenten kompiliert oder unsachgemäß repariert wurde.

Schließlich braucht es, folgt man Jacobis Führung durch die Werkstatt, Physik, Mathematik und die Leidenschaft des Ingenieurs, um den durch Klimaveränderungen, Transportschäden oder tierischen Appetit geschundenen Instrumenten beizukommen. Damit der Klang wieder stimmt, muss Jacobi Schwingungen harmonisieren und an Steg und Corpus reißende Kräfte zähmen. Von den Mühen, Ersatzmaterialien zu beschaffen, ganz zu schweigen.

Wie man das alles unter einen Hut bekommt? „Erfahrung“, sagt Jacobi. Denn trotz der vielen High-Tech-Apparaturen und Messverfahren bleiben Spitzeninstrumente Individuen, für die es keine Standard-Lösungen gibt. Und das ist auch gut so, mögen sich manche Liebhaber der Streichmusik an diesem Abend denken. Denn das lässt Raum für Überraschungen.

„Es sind nicht immer nur die teuren Instrumente, die gut klingen“, sagt Cello-Professor Jan Ickert. Das historische Knopf-Cello hat die Kommission im Vergleich mit vielen anderen hochwertigen Instrumenten „blind“ ausgewählt. Entscheiden sollte nur der Klang, nicht der Name des Geigenbauers. Dass die Hochschule damit einen Volltreffer gelandet hat, illustriert Cello-Student John Mackenroth mit der Suite No. 3 C-Dur von J.S. Bach. Er vertrat an diesem Abend Alexios Tassis, der das Knopf-Cello aktuell entliehen hat – und prompt ein Probespiel mit dem Instrument gewann. Beim Termin in Geisenheim war er durch sein neues Engagement verhindert.

Cello-Video
(Foto: Emiliano Proietti)

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