Him­mel vol­ler Gei­gen

Werke von Liza Lim und Algirdas Martinaitis für Violine solo.

HfMDK, OpernstudioEschersheimer Landstraße 29,60322 Frankfurt am Main Auf Karte anzeigen
Neue Musik Nacht: Gesamtprogramm

Al­gir­das Mar­ti­nai­tis (*1950): „...Su paukščio gies­me...“ (With a Bird­song) (2024)
Jinz­hu Li, Vio­li­ne

Liza Lim (*1966): „The Su Song Star Map“ for solo vio­lin (2017) (12‘)
Su­zu­ne Ma­su­m­o­to, Vio­li­ne

 

„With a Bird­song“ von Al­gir­das Mar­ti­nai­tis (2024) ist ein Stück für Vio­li­ne solo, das spe­zi­ell für den VII. In­ter­na­tio­na­len Ja­scha-Hei­fetz-Wett­be­werb für Gei­ger 2025 in Auf­trag ge­ge­ben wur­de.

Al­gir­das Mar­ti­nai­tis ist ein in der ro­man­ti­schen Ton­spra­che ver­an­ker­ter Kom­po­nist. In den spä­ten 1970er Jah­ren, als er zu­sam­men mit gleich­ge­sinn­ten Kom­po­nis­ten der „neo-ro­man­ti­schen“ Ge­nera­ti­on de­bü­tier­te, zeich­ne­ten sich sei­ne von der Na­tur in­spi­rier­ten Kam­mer­kom­po­si­tio­nen durch ihre au­ßer­ge­wöhn­li­che poe­ti­sche Sen­si­bi­li­tät und ihre tie­fe emo­tio­na­le Wir­kung aus. Ein wei­te­rer Zy­klus von Kam­mer­mu­sik­wer­ken folg­te An­fang der 1990er Jah­re un­ter dem Ti­tel „Das Buch vom An­fang und vom Ende“. Die Bil­der des Bö­sen, der Bes­tia­li­tät und des Jüngs­ten Ge­richts er­setz­ten die trau­ri­ge Schön­heit ver­wel­ken­der Bäu­me, aus­trock­nen­der Flüs­se und ver­schwin­den­der Vö­gel. In sei­nen jüngs­ten Wer­ken regt der Kom­po­nist im­mer wie­der zum Nach­den­ken über die Gren­zen der Ur­he­ber­schaft an und stellt die Ka­te­go­ri­en In­di­vi­dua­li­tät und Ori­gi­na­li­tät mit An­spie­lun­gen auf Ba­na­li­tät, Mi­mi­kry und Wie­der­ho­lung in Fra­ge.

Mar­ti­nai­tis stu­dier­te Kom­po­si­ti­on an der Li­taui­schen Mu­sik­aka­de­mie bei Edu­ar­das Bal­sys, wo er 1978 sei­nen Ab­schluss mach­te. Er ge­hör­te zu den ers­ten li­taui­schen Kom­po­nis­ten, die 1989 die höchs­te na­tio­na­le künst­le­ri­sche Aus­zeich­nung, den Li­taui­schen Na­tio­nal­preis für Kul­tur und Kunst, er­hiel­ten. Sei­ne Mu­sik ist re­gel­mä­ßig auf Fes­ti­vals für neue Mu­sik in Li­tau­en und im Aus­land zu hö­ren, dar­un­ter das Bal­tic Mu­sic Fes­ti­val in Stock­holm (1992), das Vale of Glamor­gan Fes­ti­val (1996), Pro­bal­ti­ca '97, Ma­erz­Mu­sik (2003, Deutsch­land) und die ISCM World Mu­sic Days (2008).

Liza Lim, Stif­tungs­gast­pro­fes­so­rin Kom­po­si­ti­on 2024/25 an der HfMDK, schreibt über ihr Stück "The Su Song Star Map" für Solo Vio­li­ne, das Ashot Sar­kiss­jan ge­wid­met ist und 2018 von ihm in Bos­ton ur­auf­ge­führt wur­de:

Dies ist eine Ster­nen­kar­te für den Him­mels­glo­bus von Su Song (1020-1101), ei­nem chi­ne­si­schen Wis­sen­schaft­ler und Ma­schi­nen­bau­in­ge­nieur der Song-Dy­nas­tie (960-1279). Sie wur­de erst­mals im Jahr 1092 in Su's Buch „Xin Yi Xiang Fa Yao“ (Wade-Gi­les: „Hsin Yi Hsiang Fa Yao“) ver­öf­fent­licht. Auf die­ser Ster­nen­kar­te be­fin­den sich 14 xiu (Mond­häu­ser) auf Mer­ca­tors Pro­jek­ti­on. Der Äqua­tor wird durch die ho­ri­zon­ta­le ge­ra­de Li­nie dar­ge­stellt, die durch die Ster­nen­kar­te ver­läuft, wäh­rend sich die Ek­lip­tik dar­über krümmt.

Su Songs Ster­nen­kar­ten hat­ten die Stun­den­krei­se zwi­schen den Xiu, die die as­tro­no­mi­schen Me­ri­dia­ne bil­de­ten, mit Ster­nen, die in qua­si-or­tho­mor­pher zy­lin­dri­scher Pro­jek­ti­on auf je­der Sei­te des Äqua­tors mar­kiert wa­ren, und ent­spra­chen so­mit ih­ren Nord­pol­ab­stän­den. Erst durch die Ar­beit von Ger­hard Mer­ca­tor im Jahr 1569 wur­de in der west­li­chen Welt eine Him­mels­kar­te die­ser Pro­jek­ti­on er­stellt (Need­ham, Band 4, Teil 3, 569).

Projekte von und mit Liza Lim

Überblick & Tickets