A Strugg­le for Light and Love?

Ge­ne­ral­bass und Con­ti­nuo­spiel im künst­le­risch-for­schen­den Ex­pe­ri­ment

Ein junger Mann sitzt an einem Hammerflügel und lacht.
(Photo: Janine Bächle)

Be­schrei­bung

Beschreibung

Das Pro­jekt A STRUGG­LE FOR LIGHT AND LOVE? setzt sich mit der Fra­ge aus­ein­an­der, un­ter wel­chen Prä­mis­sen in der Mu­sik des Ba­rocks Teil­neh­men­de par­ti­zi­pie­ren und ko­exis­tie­ren. Als Ver­suchs­feld eig­net sich be­son­ders der Ge­ne­ral­bass, der nur ge­rin­ge Tei­le der in­ten­dier­ten Mu­sik in mu­si­ka­li­scher No­ta­ti­on fest­hält und mit In­stru­men­ten be­setzt wer­den kann, die sich in Funk­ti­on und Gel­tungs­be­dürf­nis schein­bar kon­kur­rie­ren. Ori­gi­nal­quel­len ste­hen da­bei häu­fig in Wi­der­spruch zu heu­tig eta­blier­ter Pra­xis, ge­ne­rie­ren aber auch selbst ge­wis­se Span­nungs­fel­der, die im Hin­blick auf eine be­deut­sa­me An­nä­he­rung an die Äs­the­tik der Zeit nur mit künst­le­ri­scher For­schung wei­ter auf­ge­löst wer­den kön­nen.

Künst­le­risch-for­schen­de Ar­beit, die Quel­len und mu­sik­wis­sen­schaft­li­che Er­kennt­nis­se mit Prä­mis­sen der Prak­ti­ka­bi­li­tät und künst­le­ri­schen Sinn­haf­tig­keit neu ab­gleicht und durch Fra­gen der Par­ti­zi­pa­ti­on ei­ner Grund­idee der ba­ro­cken Ton­kunst sich noch nä­her her­an­zu­tas­ten ver­sucht, steht im Zen­trum des Pro­jekts.

Zie­le

Ziele

Durch die Be­schäf­ti­gung mit Pa­ra­me­tern wie Be­set­zung, Aus­set­zung und Auf­stel­lung ei­ner­seits, Dy­na­mik, Füh­rungs­an­spruch, Klan­g­hier­ar­chie und Spiel­wei­se an­de­rer­seits, wird das Ziel ver­folgt, ge­won­ne­ne Er­kennt­nis­se in das ei­ge­ne Mu­si­zie­ren zu in­te­grie­ren und sich fun­diert zu ih­nen po­si­tio­nie­ren zu kön­nen. In da­für statt­fin­den­den Work­shops mit den Pro­jekt­ver­ant­wort­li­chen, wei­te­ren Leh­ren­den der HIP-Ab­tei­lung und Stu­die­ren­den grei­fen Mu­sik­ver­mitt­lung, For­schung und künst­le­ri­sches, er­geb­nis­of­fe­nes Mu­si­zie­ren in­ter­dis­zi­pli­när in­ein­an­der. Durch die­sen ex­pe­ri­men­tel­len und in­ter­dis­zi­pli­nä­ren An­satz in Be­zug auf die oben ge­nann­ten Pro­blem­fel­der wird sich ein neu­es, tie­fe­res Ver­ständ­nis des ba­ro­cken Ge­ne­ral­bass- und En­sem­ble­spiels eta­blie­ren. Die­se Ar­beit wird so­wohl in ei­nem öf­fent­li­chen Lec­tu­re-Re­ci­tal als auch auf der Home­page do­ku­men­tiert und in die Lehr­ver­an­stal­tun­gen an der HfMDK Frank­furt ein­flie­ßen.

Ab­lauf im Über­blick

Ablauf im Überblick

In An­schluss an das seit dem Som­mer­se­mes­ter 2020 durch­ge­führ­te Se­mi­nar „HIP im Ex­pe­ri­ment“ (be­treut durch Prof. E. M. Pol­le­rus) bil­de­ten sich En­sem­bles aus Stu­die­ren­den, die an­hand aus­ge­wähl­ter Wer­ke in künst­le­ri­sche und quel­len­kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit den Fra­ge­stel­lun­gen des Pro­jekts gin­gen. Wäh­rend drei Work­shops wur­de je­weils ei­ner der be­reits er­wähn­ten As­pek­te fo­kus­siert, um sich so mög­lichst dif­fe­ren­ziert zu den in der all­täg­li­chen Spiel­pra­xis un­ver­meid­bar in­ein­an­der­grei­fen­den The­men po­si­tio­nie­ren zu kön­nen. So wur­de ein ers­ter Work­shop mit dem Fo­kus auf die Fra­ge der Par­ti­zi­pa­ti­on und Funk­ti­ons­tei­lung im En­sem­ble, ein zwei­ter auf his­to­ri­sche Aus­set­zun­gen in Hin­blick auf die­se Pro­blem­stel­lung und ein drit­ter mit dem Ziel, das Er­prob­te in­ter­dis­zi­pli­när in die Dis­kus­si­on mit der Psy­cho­akus­tik zu stel­len, durch­ge­führt. Ein öf­fent­li­ches Lec­tu­re Re­ci­tal mach­te ers­te Er­geb­nis­se die­ser Ar­beit hör­bar und für eine fach­frem­de Zu­hö­rer­schaft nach­voll­zieh­bar.

Durch­ge­führ­te Ak­ti­vi­tä­ten

Durchgeführte Aktivitäten

Nach ei­ner Ein­füh­rung (14.4.2021) ex­pe­ri­men­tier­ten Stu­die­ren­den­en­sem­bles wäh­rend des ers­ten Work­shops (21.4.2021) mit ver­schie­de­nen En­sem­ble­auf­stel­lun­gen, über­lie­fer­ten Aus­füh­run­gen von Ar­peg­gi­en und de­ren Aus­wir­kun­gen, Be­set­zungs­fra­gen und Durch­hör­bar­keit im En­sem­ble bzw. in­ner­halb der Con­ti­nuo-Grup­pe (z.B. bei Ver­zie­run­gen). Dem Lec­tu­re-Re­ci­tal vor­an­ge­stellt fan­den Pro­ben­ta­ge (5.-7.5.2021) mit wei­te­ren Ex­pe­ri­men­ten statt. Die da­bei er­ar­bei­te­ten Wer­ke wur­den an­schlie­ßend ex­em­pla­risch prä­sen­tiert und die je­wei­li­gen For­schungs­schwer­punk­te der Zu­hö­rer­schaft er­läu­tert (8.5.2021). Die Er­fah­run­gen des ers­ten Work­shops wur­den dar­auf­hin dis­ku­tiert, wei­ter­füh­ren­de Quel­len­re­cher­che wur­den an­ge­schlos­sen (7.&14.7.2021) und der zwei­te Work­shop (16.7.2021) vor­be­rei­tet. Nach­ge­gan­gen wur­de der Fra­ge, was die his­to­ri­schen Aus­set­zun­gen in Be­zug auf Tem­po, Har­mo­nik, Dy­na­mik, Be­set­zung und Cha­rak­ter of­fen­le­gen. Die Er­geb­nis­se konn­ten an­schlie­ßend auf Wer­ke, die ohne aus­no­tier­te Con­ti­nuo-Stim­men vor­la­gen, über­tra­gen wer­den. Der drit­te Work­shop (10.-12.9.2021) fo­kus­sier­te die psy­cho­akus­ti­schen Grund­la­gen, um das bis­her Ver­folg­te be­griff­lich zu schär­fen. Da­für kam Ton­in­ge­nieur Jo­hann Stein­ecker zu Gast, der mit ei­nem Vor­trag in das Span­nungs­feld Akus­tik-Wahr­neh­mung-Ton­tech­nik ein­führ­te. Ver­schie­dens­te Ex­pe­ri­men­te, die bis da­hin pri­mär aus Sicht der Quel­len und auf ihre Aus­führ­bar­keit hin ge­prüft wur­den, konn­ten nun in­ter­dis­zi­pli­när ana­ly­siert wer­den, wie bspw. das Phä­no­men der „Ver­de­ckung“.

Protokolle der Experimente und Workshops

Zusammenfassung: Interdisziplinärer Workshop mit DI Johann Steinecker

Prä­sen­ta­ti­on & Do­ku­men­ta­ti­on

Präsentation & Dokumentation

Die Ar­beit des Pro­jekts wur­de so­wohl schrift­lich als auch au­dio­vi­su­ell do­ku­men­tiert. Die statt­ge­fun­den Work­shops wur­den de­tail­liert pro­to­kol­liert und pro­jekt­in­tern zu­gäng­lich ge­macht. Ein Vi­deo­trai­ler, der sich aus dem fest­ge­hal­te­nen Ma­te­ri­al wäh­rend der Work­shops und des Lec­tu­re- Re­ci­tals so­wie ab­schlie­ßen­den In­ter­views mit Prof. Eva Ma­ria Pol­le­rus, Da­ni­el Ro­sin, Jo­hann Stein­ecker, Alex­an­der von Hei­ßen und So­phia Kind zu­sam­men­setzt, konn­te durch die Mit­ar­beit von Alex­an­der von Hei­ßen fer­tig­ge­stellt wer­den und wird über ei­nen Link ab­ruf­bar sein. Wei­te­re Bei­trä­ge, die aus dem Pro­jekt her­aus ent­stan­den sind, wur­den eben­falls zu­gäng­lich ge­macht.

Er­geb­nis­se

Ergebnisse

Im Rah­men der künst­le­risch-for­schen­den Work­shops wur­de durch das Er­ar­bei­ten ge­ziel­ter Wer­ke das Span­nungs­feld zwi­schen his­to­ri­schen Quel­len und teils un­hin­ter­frag­ter Pra­xis im Sin­ne des Pro­jekt­ti­tels er­fahr­bar. Me­tho­den und quel­len­ori­en­tier­te Ar­beits­wei­sen in Be­zug auf eine Hörer­war­tung, die ex­pli­zit auf dem Ge­biet der mu­si­ka­li­schen Funk­ti­ons­tei­lung Pro­blem­fel­der ge­ne­riert, konn­ten ent­wi­ckelt und für zu­künf­ti­ge künst­le­ri­sche Ent­schei­dungs­pro­zes­se ab­ruf­bar ge­macht wer­den. Da­bei zeigt sich, dass mu­si­ka­li­sche Ko­exis­tenz auch in kom­ple­xen Kon­stel­la­tio­nen mög­lich ist, al­ler­dings be­darf es in die­sen Fäl­len be­son­ders vor­sich­ti­ger Ar­beits­wei­sen, die in ih­rem Er­folg in be­son­de­rem Maß von der An­wen­dung his­to­ri­scher Quel­len mit Hin­wei­sen auf die ent­spre­chen­de Äs­the­tik ab­hän­gen.

In ei­nem ana­ly­ti­sche­ren Teil konn­te in Zu­sam­men­ar­beit mit dem Ton­in­ge­nieur Jo­hann Stein­ecker das akus­ti­sche Phä­no­men der “Ver­de­ckung” bzw. “Mas­kie­rung“ zwi­schen sich kon­kur­rie­ren­den Con­ti­nuo-In­stru­men­ten nach­ge­wie­sen wer­den. Bei der ver­glei­chen­den Ana­ly­se von am Ort pro­du­zier­ten Au­dio­da­tei­en in ei­ner Ver­suchs­an­ord­nung mit wech­seln­den Pa­ra­me­tern zeig­te sich, dass klang­li­che Ver­de­ckung nicht zwin­gend durch An­pas­sun­gen in der Be­set­zung ge­löst wer­den muss, son­dern mit be­wusst ge­führ­ter Klang­ge­stal­tung (im his­to­ri­schen Sinn) zu sehr gu­ten Re­sul­ta­ten in Sa­chen mu­si­ka­li­scher Ko­exis­tenz füh­ren kann. Aus die­ser Be­ob­ach­tung las­sen sich für zu­künf­ti­ge Kon­zer­te oder Au­dio­pro­duk­tio­nen zu­sätz­lich pro­duk­ti­ve Kon­se­quen­zen zie­hen.

Die Er­geb­nis­se die­ses Pro­jekts konn­ten be­reits und wer­den wei­ter­hin in die Leh­re an der HfMDK Frank­furt ein­flie­ßen. Dar­über hin­aus ist lang­fris­tig eine fort­füh­ren­de Rea­li­sie­rung des Pro­jekts mit des­sen Fra­ge­stel­lun­gen ge­plant, dem die­ses be­wil­lig­te Pro­jekt als Ba­sis die­nen soll, um sich dar­an an­knüp­fend mit den viel­schich­ti­gen Ein­zel­as­pek­ten noch de­tail­lier­ter aus­ein­an­der­set­zen zu kön­nen.

Dank

Dank

Wir möch­ten uns herz­lich für die För­de­rung des Pro­jekts be­dan­ken, durch die un­ser ei­ge­nes Mu­si­zie­ren so­wie die wei­ter­füh­ren­de Leh­re sehr be­rei­chert wur­de.

Frank­furt am Main, 11. Ja­nu­ar 2022

Prof. Eva Ma­ria Pol­le­rus, Prof. Je­sper Chris­ten­sen, Da­ni­el Ro­sin, So­phia Kind

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