Christiane Michel-Ostertun im Interview
Prof. Christiane Michel-Ostertun unterrichtet seit dem Wintersemester 2024/25 Orgelimprovisation/liturgisches Orgelspiel an der HfMDK als Lehrbeauftragte. Im Interview mit der Kirchenmusikstudentin Eva Müller erzählt sie über sich, ihre Leidenschaft für das Improvisieren und ihre ersten Eindrücke des Ausbildungsbereichs Kirchenmusik.
Hinweis: Das Interview wurde bereits im Herbst 2024 geführt. Aufgrund eines redaktionellen Fehlers wird es aber erst jetzt veröffentlicht. Alle Angaben entsprechen dem Zeitpunkt des Interviews.
Wie sind Sie zum Orgelspielen gekommen?
Meine Mutter ist Pfarrerstochter und sang schon immer im Kirchenchor. So kam ich nach dem Kinderchor in den Jugendchor und Blockflötenkreis, schätzte unsere Kirchenmusikerin und fing nach der Konfirmation einfach mal mit Orgelstunden an, weil eine Freundin diese Idee hatte. Irgendwie ahnte ich schon, dass ich in meinem Leben viel Musik machen wollte, aber nicht als Pianistin oder Cellistin. An Musik-Lehrerin hatte ich schon gedacht, aber ganz bestimmt nicht an Improvisations-Dozentin.
Was fasziniert Sie an Orgelimprovisation?
Die Kreativität. Beim Literaturspiel ist so vieles vorgegeben, Improvisieren bedeutet ein hohes Maß an Freiheit - je nach Stil natürlich. Die Bandbreite an Originalität und Zuverlässigkeit schwankt mit der Tagesform, das kann so frustrierend wie beglückend sein.
Was ist Ihnen beim Unterrichten wichtig?
Dass man ganz vieles lernen (und lehren) kann. Auch dass ich Grundsätzliches von Geschmacklichem trenne und mich bei Stilkopien als Mittlerin zwischen alten Meistern und Studierenden sehe. Dass die handwerklichen Techniken als solide Basis für möglichst phantasievolles Spiel ausgebildet werden und dass der Lustfaktor nie vergessen wird. Das größte Ziel ist, dass ich mich entbehrlich mache und lebenslanges eigenständiges Weiterentwickeln ermögliche und dazu anrege. Ich kann allen nur empfehlen, Improvisation zu unterrichten, es gibt kaum etwas Spannenderes, weil jede(r) so viel Eigenes mit einbringt.
Wie haben Sie Ihren Start als Dozentin an der HfMDK erlebt?
Ich bin sehr freundlich aufgenommen worden, sowohl von den Lehrenden als auch von den Studierenden. Mit Stefan [Viegelahn] hatte ich bisher den meisten Austausch, nicht zuletzt, weil wir manchmal gemeinsame Zugfahrten zum Reden nutzten. Gern würde ich auch den Kontakt zu den anderen Kolleg:innen intesivieren, leider scheitert es immer an der Zeit - nicht zuletzt bei mir, da ich jede Woche zwischen Mannheim, Herford, Heidelberg und Frankfurt pendel. Deswegen kann ich mich auch in Frankfurt über den Unterricht hinaus kaum einbringen, was ich sehr schade finde.
Was machen Sie, wenn Sie nicht gerade Orgel spielen?
Da sitze ich meist im Zug ;)
Nein, ich bin immer gut beschäftigt mit meinen zwei Chören, ich komponiere, erstelle Tutorials, mache Sport (das habe ich im Studium noch nicht gepflegt). Im Urlaub gehe ich am liebsten Bergwandern und habe Zeit für meine Kinder, wenn sie ab und zu nach Hause kommen.



