„Als Lehrende versuche ich, ein lebenslanges Lernen und Entdecken anzuregen.“

Tabera Zimmermann
(Photo: MArco Borggreve)
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Wann ein Ta­lent ein Ta­lent ist – und was pas­sie­ren muss, da­mit dar­aus eine künst­le­ri­sche Ent­wick­lung wird: Eine Re­fle­xi­on von Prof. Ta­bea Zim­mer­mann.

Es gibt wahr­schein­lich kei­ne schö­ne­re Auf­ga­be, als hoch­be­gab­te jun­ge Mu­si­ker*in­nen auf ih­rem Weg be­glei­ten zu dür­fen. Die Fra­ge, was al­les pas­sie­ren muss, da­mit aus ei­nem Ta­lent auch eine ech­te Künst­ler­per­sön­lich­keit wer­den kann, ist nicht leicht zu be­ant­wor­ten; zu viel­fäl­tig sind die Fak­to­ren, die mit hin­ein­spie­len kön­nen. Ne­ben ei­ner star­ken Lie­be zur Mu­sik, emp­find­sa­men Oh­ren, Lust am Ent­de­cken und Ler­nen, ei­ner schnel­len Auf­fas­sungs­ga­be, ei­ner gu­ten Mi­schung aus An­pas­sungs­fä­hig­keit und Ei­gen­sinn, Freu­de am ge­mein­sa­men Mu­si­zie­ren, Fle­xi­bi­li­tät in den Fin­gern, Freu­de am Üben und der Fä­hig­keit, sich bie­ten­de Chan­cen zu er­ken­nen, braucht es vor al­lem die An­er­ken­nung und För­de­rung durch em­pa­thi­sche und in­spi­rie­ren­de Leh­ren­de so­wie durch das fa­mi­liä­re und schu­li­sche Um­feld. Brem­sen­de Fak­to­ren wie über­zo­ge­ne Er­war­tun­gen, fehl­ge­lei­te­tes Per­fek­ti­ons­stre­ben, Neid und Un­ver­ständ­nis von An­de­ren, Un­ge­duld, Über­for­de­rung und über­trie­be­ne Selbst­be­zo­gen­heit gilt es aus­zu­ba­lan­cie­ren.

Als Leh­ren­de ver­su­che ich, die stär­ker aus­ge­präg­ten Be­ga­bun­gen und die we­ni­ger star­ken Ei­gen­schaf­ten zu­nächst ins Gleich­ge­wicht zu brin­gen und ein le­bens­lan­ges Ler­nen und Ent­de­cken an­zu­re­gen. Ich set­ze gro­ßes Ver­trau­en in die jun­gen Men­schen, be­reits vor­han­de­ne und neu er­lern­te Fä­hig­kei­ten in ihre in­di­vi­du­el­le Per­sön­lich­keit in­te­grie­ren zu kön­nen und dar­an zu wach­sen. Sie wer­den er­mu­tigt, sich aus­zu­pro­bie­ren, Feh­ler zu ma­chen und dar­aus zu ler­nen, die ei­ge­nen Po­ten­zia­le an­zu­er­ken­nen und wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. Auf­tritts­mög­lich­kei­ten in be­grenz­tem Um­fang sehe ich als gro­ße Chan­ce, den Mut zur ei­ge­nen In­ter­pre­ta­ti­on und die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­keit zu tes­ten. Da­bei fin­de ich wich­tig, mög­lichst nur gute Er­fah­run­gen zu sam­meln und die we­ni­ger gu­ten nicht all­zu wich­tig zu neh­men.

Auf­grund mei­ner ei­ge­nen Er­fah­run­gen, die ich als hoch­be­gab­te Ju­gend­li­che mach­te – die oft nicht ‚dazu ge­hör­te‘, die man­gels Vor­bil­dern im so­zia­len Um­feld den ei­ge­nen Weg fin­den und bah­nen muss­te –, kann ich über den in­stru­men­ta­len Un­ter­richt hin­aus be­ra­tend zur Sei­te ste­hen und bei auf­tre­ten­den Kri­sen Mut ma­chen. Mei­ne ei­ge­nen Leh­rer*in­nen sind mir als gute Vor­bil­der in Er­in­ne­rung. Sie ha­ben mir eine Fül­le an Fä­hig­kei­ten mit auf den Weg ge­ge­ben, die ich er­wei­tern, hin­ter­fra­gen und aus­bau­en konn­te, ohne je­mals et­was ‚lö­schen‘ zu müs­sen. Die­sen An­satz brin­ge ich in mei­ne Ar­beit an der HfMDK mit ein und freue mich, Teil die­ser Hoch­schul­ge­mein­schaft zu sein.

Seit die­sem Herbst be­treue ich zwei jun­ge Brat­schis­tin­nen im Rah­men der Young Aca­de­my und möch­te da­mit auch die Kam­mer­mu­sik zwi­schen den Ju­gend­li­chen von der Mit­tel­stim­me aus stär­ken. Um es mit Ro­bert Schu­mann zu sa­gen: „Sin­ge flei­ßig im Chor mit, na­ment­lich Mit­tel­stim­men. Dies macht dich mu­si­ka­lisch.“

»Ever since I met Tabea, my perspective towards music has changed tremendously. It was two years ago when I first played for Tabea. It was an eye-opening and liberating experience. Not only had she taught me her ways of thinking but she guided me to be able to express my thoughts into music. Even if she may disagree with my ideas, it is never discouraging, but she rather challenges me to develop my thoughts into a more convincing idea. In my lessons, we play for each other. She makes music with me so that I can naturally understand her ways of viewing the music without saying much. Lessons are never intimidating but fun. It is an event that I always look forward to. Now I strongly feel like a musician with not just musicality but a toolbox full of tools that allows myself to bring the music into life. I am very grateful that I was able to have Tabea during my preparation for the ARD competition. Preparing for competitions can be very stressful. Even under immense pressure, she helped me to be in a mentality where I can really focus on the most important thing, which is the music itself. That helped me from over-complicating the music that I was working on. The one thing that she emphasized the most was, “believe in your music”. That really gave me confidence and joy to perform each and every round of the competition.«Haesue Lee, Viola
Porträt von Haesue Lee mit ihrer Bratsche
(Foto: Daniel Delang/BR)

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Die südkoreanische Bratschistin Haesue Lee gewann 2023 den 1. Preis und den Publikumspreis des ARD Musikwettbewerbs im Fach Viola. Im Sommersemester hat sie ihr Masterstudium bei Prof. Tabea Zimmermann an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin abgeschlossen. Seit Oktober setzt sie ihr Studium bei Prof. Tabea Zimmermann an der Kronberg Academy fort.

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