Mit Dirigierassistenzen das eigene Profil stärken
Schaut man in die Lebensläufe weltweit arrivierter Dirigent*innen fällt häufig die explizite Erwähnung von Dirigierassistenzen auf, die sie während ihres Studiums bei berühmten Kolleg*innen, Orchestern bzw. Chören absolviert haben. Dirigierassistenzen sind also Meilensteine in der Ausbildung, auf die selbst renommierte Dirigent*innen noch Jahre später mit einem gewissen Stolz hinweisen.
Im Frühjahr 2026 taten es ihnen HfMDK-Studierende der Dirigier-Klassen gleich und haben in Berlin, Bielefeld, Darmstadt, Gießen, Göttingen und Wien assistiert, dirigiert bzw. hospitiert.
Praktische Mitwirkung und künstlerische Kommunikation
Ann-Marie Goulding, Anton Förster und Philipp Steigerwald reisten zum RIAS-Kammerchor nach Berlin, um dort vier Tage lang die Probenarbeit zu Bachs „Johannespassion“ zu begleiten. Dabei waren gerade die Impulse besonders wertvoll, die ihnen der Chefdirigent Justin Doyle bezüglich seiner gestalterischen Ideen und spezifischen Probentechnik vermittelte. So überraschte sie zum Beispiel Doyles Aufforderung an die Chor-Mitglieder, einzelne Fugen unter Einsatz vorgegebener Körperbewegungen zu singen, sich in einem der Turba-Chöre szenisch einander zuzuwenden, einen Choral auch einmal singend selbst zu dirigieren oder ausgesuchte Textpassagen vorzulesen.
Anton Förster erhielt zudem die Gelegenheit, Christoph Altstaedt, Vertretungsprofessor Orchesterdirigieren an der HfMDK, bei dessen Arbeit mit den Bielefelder Philharmonikern zu assistieren. Zu seinen Aufgaben als Assistent gehörte in erster Linie das genaue Zuhören und Analysieren in den Proben, um im Anschluss weitere Probenschwerpunkte mit dem Fokus auf Tempi, Zusammenspiel und Intonation zu planen. Von Bedeutung war auch seine Rückmeldung zur Klangbalance im Konzertsaal.
» Insgesamt war die Assistenz eine sehr wichtige Erfahrung in meiner Ausbildung. Das erste Mal konnte ich die Abläufe von der ersten Probe bis zur Generalprobe mitverfolgen und erhielt einen Eindruck aller Aufgaben des Dirigenten. Während im Hochschulalltag primär dirigiertechnische und musikalische Fragen im Mittelpunkt stehen, erlebte ich durch die Assistenz, wie diese Aspekte im realen Arbeitsleben umgesetzt werden. «Anton Förster, Bachelor Orchesterdirigieren

Yeeun (Lena) Oh und Philipp Steigerwald konnten zwei Monate lang bei der Produktion von „Incoronazione di Poppea“ von Claudio Monteverdi am Staatstheater Darmstadt assistieren. In dieser Zeit inspirierte sie der Dirigent Clemens Flick dank seiner ausgesprochen versierten Expertise für historische Aufführungspraxis im Musiktheater. Flicks Erfahrung in der Interpretation Alter Musik und seine detailgenaue Arbeit mit dem Gesangsensemble und dem Orchester eröffnete ihnen wertvolle Einblicke.
»Für mich persönlich war die Monteverdi-Oper „Incoronazione di Poppea“ am Staatstheater Darmstadt eine der ersten Kontakte mit dem professionellen Musiktheater überhaupt. In den zwei Monaten meiner Assistenz konnte ich tiefgreifende Erfahrungen sammeln und erhielt Einblicke in hierarchische Strukturen sowie den Ablauf des gesamten Probenprozesses. Sehr wertvoll war aber auch der persönliche Kontakt mit den Menschen am Theater. Ich kann auf einen intensiven Zeitraum zurückblicken, der meine Fähigkeiten als Musiker gestärkt, meine Erfahrungen in der Alten Musik geschärft und mir neue Räume eröffnet hat. Dafür bin ich außerordentlich dankbar! «Philipp Steigerwald, Chorleitung
Maria Ravvina begleitete am Stadttheater Gießen drei Wochen lang die Probenarbeit zur „Gärtnerin aus Liebe“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Ihr Schwerpunkt lag auf den szenischen Klavierproben, in denen musikalische und darstellerische Aspekte zusammengeführt werden. Neben dem reinen Beobachten konnte sie im Verlauf der Hospitanz auch selbst praktische Erfahrungen sammeln, indem sie vertretungsweise szenische Proben dirigierte und das Gesangsensemble am Klavier begleitete.
Artūrs Oskars Mitrevics verwirklichte – gemeinsam mit der Dirigentin Annalena Hoesel – ein unkonventionelles Konzertprojekt mit dem Göttinger Sinfonieorchester. Die Idee war es, dem Publikum Musikstile von der Renaissance über Barock bis zum zeitgenössischen Minimalismus in Form einer ungezwungenen Erfahrung näherzubringen. So saß das Publikum auf Sofas oder auf dem Boden, während das Orchester abwechselnd in der Saalmitte und auch um die Zuhörenden herum positioniert wurde. Vielfarbige Lichtprojektionen und der Einsatz von Aromadiffusoren, die den Saal mit einem angenehmen Duft erfüllten, schufen ein umfassendes Sinneserlebnis. Eine Herausforderung an die Dirigierassistenz stellte die Entwicklung eines zum Konzept passenden Probenplans dar. Zudem musste der richtige Klang für ein Programm gefunden werden, das verschiedene Orchesterbesetzungen im Saal verteilt und bei dem die Musiker*innen teilweise sogar mitsingen.
Elisabeth Stoll hospitierte an der Volksoper Wien, um die Abläufe eines großen Theaterbetriebs kennenzulernen. Innerhalb von zwei Wochen war sie in vier verschiedene Produktionen involviert und konnte an Einzel-Coachings mit Sänger*innen aus dem Ensemble und des Opernstudios teilnehmen. Im Zentrum ihrer Beobachtungen stand die Arbeit des Studienleiters am Haus. In zahlreichen Gesprächen berichtete er über seine umfangreichen Aufgaben und seine Beschäftigung mit dem Gesangsensemble. Für die Kirchenmusikstudierende erwies sich zudem die gemeinsame pianistische Arbeit als überaus wertvoll. Diese Erfahrung hat ihren Berufswunsch der Korrepetitorin nachhaltig gestärkt.
Als großen Gewinn empfanden alle Studierenden das Kennenlernen interner organisatorischer Abläufe im professionellen Musiktheater bzw. Konzertbetrieb sowie den Austausch mit erfahrenen Profis.
Die HfMDK bedankt sich herzlich bei der Gesellschaft der Freunde und Förderer der HfMDK (GFF) für die großzügige und praxisnahe Unterstützung!






