John Cages Europeras 3 & 4: Auftakt für den Musiktheater-Master

Foto von der Europeras-Inszenierung: Ein Darsteller singt und hat energisch die rechte Faust nach vorne angehoben. Um ihn herum sitzen Menschen an Tischen. Im Hintergrund wird eine Zahl an eine Leinwand projiziert: 0:11:42.
Eindrücke aus der Hauptprobe am Stadttheater Gießen(Photo: Rolf K. Wegst)
Eine Totale des Bühnenraums
Eindrücke aus der Hauptprobe am Stadttheater Gießen(Photo: Rolf K. Wegst)
Zwei Sängerinnen bei der Europeras-Inszenierung, im Hintergrund wird "0:54:23" an die Leinwand projiziert. Um die Sängerinnen herum stehen Tische, an denen Menschen sitzen. Der Boden erinnert an ein Schachbrett mit roten Zahlen darauf.
Eindrücke aus der Hauptprobe am Stadttheater Gießen(Photo: Rolf K. Wegst)
Eine Darstellerin in einem langen roten Kleid. Sie singt und schaut einen anderen Darsteller an, der unscharf im Vordergrund zu sehen ist, mit dem Rücken zu ihr.
Eindrücke aus der Hauptprobe am Stadttheater Gießen(Photo: Rolf K. Wegst)
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Es ist die ers­te Pro­duk­ti­on im Rah­men des neu­en Mu­sik­thea­ter­stu­di­en­gangs: Am 8. No­vem­ber 2024 bringt die Ge­sangs­ab­tei­lung der Hoch­schu­le für Mu­sik und Dar­stel­len­de Kunst Frank­furt (HfMDK) John Ca­ges vi­sio­nä­res Werk Eu­rope­ras 3 & 4 zur Pre­mie­re im Klei­nen Haus des Stadt­thea­ters Gie­ßen.

Es folgt eine Rei­he von Auf­füh­run­gen, dar­un­ter auch Vor­stel­lun­gen am 13. und 14. No­vem­ber im Klei­nen Saal der HfMDK. Die­ses avant­gar­dis­ti­sche Mu­sik­thea­ter, eine Pro­duk­ti­on der Ge­sangs­ab­tei­lung der HfMDK un­ter der Lei­tung von Prof. Gün­ther Al­bers und Prof. Jan-Ri­chard Kehl, wird von der Hes­si­schen Thea­ter­aka­de­mie ge­för­dert.

 

Pre­mie­re:

Wei­te­re Auf­füh­run­gen:

Fotos von Europeras: Eine Sängerin in einem langen Seidenkleid mit traurigem Gesichtsausdruck. Hinter ihr wird die Zahl "0:27:29" groß an die Leinwand projiziert.
Eindrücke aus der Hauptprobe am Stadttheater Gießen(Photo: Rolf K. Wegst)
Ein singender Darsteller bei der Europeras-Inszenierung. Er blickt vor und hat die rechte Hand angehoben. Im Hintergrund sieht man eine Pianistin an einem Flügel sitzen.
Eindrücke aus der Hauptprobe am Stadttheater Gießen(Photo: Rolf K. Wegst)
Foto der Europeras-Inszenierung
Eindrücke aus der Hauptprobe am Stadttheater Gießen(Photo: Rolf K. Wegst)
Foto von der Europeras-Inszenierung: Ein Darsteller liegt auf dem Boden. Auf dem Boden sind ein Karo-Muster und Zahlen zu sehen.
Eindrücke aus der Hauptprobe am Stadttheater Gießen(Photo: Rolf K. Wegst)
Nahaufnahme einer Hand, die eine Schallplatte in einen Plattenspieler einsetzt.
Eindrücke aus der Hauptprobe am Stadttheater Gießen(Photo: Rolf K. Wegst)

Was sind die Eu­rope­ras?

Der Ti­tel „Eu­rope­ras“ kann als Zu­sam­men­set­zung aus „Eu­ro­pe“ und „Ope­ra“ oder als Va­ria­ti­on von „Your Ope­ras“ ge­le­sen wer­den. Die­se Mehr­deu­tig­keit spie­gelt die Of­fen­heit und Viel­schich­tig­keit des Wer­kes wi­der – eine Hom­mage an die eu­ro­päi­sche Oper und zu­gleich ein Auf­ruf an das Pu­bli­kum, ei­ge­ne As­so­zia­tio­nen zu ent­wi­ckeln.

Ca­ges Eu­rope­ras 3 & 4 sind Teil ei­ner fünf­tei­li­gen Werk­se­rie, die von der Oper Frank­furt in Auf­trag ge­ge­ben wur­de. Die ers­ten bei­den Tei­le wur­den 1987 ur­auf­ge­führt und Eu­rope­ra 5 folg­te schließ­lich 1991. Al­len Tei­len ge­mein­sam ist ein ein­zig­ar­ti­ges Kon­zept: Je­des Ele­ment der Auf­füh­rung, von Mu­sik über Büh­nen­po­si­tio­nen bis hin zur Be­leuch­tung, wird zu­fäl­lig und un­ab­hän­gig von­ein­an­der be­stimmt. Auf die­se Wei­se hebt Cage die kon­ven­tio­nel­le Struk­tur der Oper auf und er­schafft ein Er­leb­nis, das zwi­schen Ord­nungs­ver­wei­ge­rung und As­so­zia­ti­ons­frei­heit ba­lan­ciert.

Foto der Europeras-Inszenierung. Eine Sängerin liegt auf dem Boden und scheint zu lachen. Eine weitere steht weiter hinten und singt.
(Photo: Rolf K. Wegst)
Nahaufnahme einer Darstellerin, die mit geschlossenen Augen singt.
(Photo: Rolf K. Wegst)
Eine Darstellerin in einem langen Seidendress und mit einem ängstlichen  Blick. Hinter ihr steht ein weiterer Sänger in einem Anzug und hat die Arme ausgebreitet, er wirkt bedrohlich.
(Photo: Rolf K. Wegst)

Ein Opern­er­leb­nis der be­son­de­ren Art

Eu­rope­ra 3 dau­ert 70 Mi­nu­ten und um­fasst sechs Sän­ge­rin­nen, zwei Pia­nis­tin­nen und 12 Plat­ten­spie­ler, wäh­rend Eu­rope­ra 4 in ei­ner halb­stün­di­gen Ver­si­on mit nur zwei Sän­ge­rin­nen, ei­ner Pia­nis­tin und ei­nem Gram­mo­phon in­sze­niert wird. Zu zu­fäl­li­gen Zei­ten sin­gen die Künst­le­rin­nen Aus­zü­ge aus ih­rem Ari­en-Re­per­toire, be­glei­tet von Pia­nis­tin­nen, die Tran­skrip­tio­nen be­kann­ter Opern­phan­ta­si­en von Franz Liszt spie­len. Gleich­zei­tig er­klin­gen Opern­auf­nah­men von Plat­ten­spie­lern. Büh­nen­po­si­tio­nen, Licht und sze­ni­sche Ak­tio­nen sind eben­falls dem Zu­fall über­las­sen.

Die In­sze­nie­rung ver­steht sich als Ein­la­dung, das Pu­bli­kum auf eine Rei­se der ei­ge­nen As­so­zia­tio­nen zu schi­cken und die Er­war­tun­gen an die klas­si­sche Oper her­aus­zu­for­dern. Ganz im Sin­ne von Ste­phen Haw­kings be­rühm­tem Zi­tat über das Wür­feln des Uni­ver­sums bie­tet die­se In­sze­nie­rung kei­ne ord­nen­de Hand, son­dern über­lässt al­les dem Zu­fall.

Eu­rope­ras 3 & 4 ist ein auf­re­gen­des Bei­spiel für die künst­le­ri­sche Frei­heit und Ex­pe­ri­men­tier­freu­de, die das Mu­sik­thea­ter des 20. Jahr­hun­derts prä­gen. Die HfMDK lädt Sie herz­lich ein, die­se ein­zig­ar­ti­ge Pro­duk­ti­on zu er­le­ben und sich von John Ca­ges ra­di­ka­lem Zu­gang zur Oper in­spi­rie­ren zu las­sen.

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