Sicht­wei­sen be­züg­lich „gu­ten Mu­sik­un­ter­richts“

Eine Reihe von Schülerinnen kniet auf dem Boden mit verschiedenen Instrumenten. Sie tragen hellgrüne und gelbe T-Shirts. Drei der fünf Mädchen blicken nach links zu einem Mädchen, das gerade Melodica spielt. Der Rest hält Kokosnusshälften und andere Perkussionsinstrumente.
(Photo: Laura Brichta)

For­schungs­the­ma

Das For­schungs­pro­jekt nimmt die sub­jek­ti­ven Sicht­wei­sen be­züg­lich ‚gu­ten Mu­sik­un­ter­richts‘ von Re­fe­ren­dar*in­nen mit dem Fach Mu­sik in der Grund­schu­le in den Blick und stellt Be­zü­ge zu den Sicht­wei­sen der­sel­ben Per­so­nen am Ende ih­res Stu­di­ums her. Grund­la­ge der Stu­die sind qua­li­ta­ti­ve, leit­fa­den­ge­stütz­te In­ter­views mit vier Re­fe­ren­dar*in­nen am Ende ih­res Re­fe­ren­da­ri­ats mit dem Fach Mu­sik in der Grund­schu­le so­wie die vor­her­ge­hen­den In­ter­views mit den­sel­ben Per­so­nen am Ende ih­res Stu­di­ums. Da­mit wer­den die Aus­sa­gen der be­frag­ten Per­so­nen zu zwei ver­schie­de­nen Zeit­punk­ten im Pro­fes­sio­na­li­sie­rungs­pro­zess von Lehr­per­so­nen be­trach­tet.

Pro­fes­sio­na­li­sie­rung meint auf in­di­vi­du­el­ler Ebe­ne „das Hin­ein­wach­sen ei­nes Be­rufs­neu­lings in die Rol­le, den Sta­tus und die Kom­pe­tenz ei­nes Pro­fes­sio­nel­len“ (Ter­hart 2011, S. 203). Die Pro­fes­sio­na­li­sie­rung von Lehr­per­so­nen ist als Pro­zess zu ver­ste­hen (vgl. Kel­ler-Schnei­der & He­ricks 2017, S. 302). Das päd­ago­gisch-di­dak­ti­sche Ler­nen von zu­künf­ti­gen Lehr­per­so­nen wird be­reits von den Er­fah­run­gen aus ih­rer ei­ge­nen Schul­zeit be­ein­flusst (vgl. Mess­ner & Reus­ser 2000, S. 157). Der Pro­fes­sio­na­li­sie­rungs­pro­zess bei Mu­sik­lehr­per­so­nen wird be­glei­tet von mu­si­ka­li­schen Frei­zeit­ak­ti­vi­tä­ten, die oft seit der Kind­heit aus­ge­übt wer­den. Die­se mu­si­ka­li­sche Vor­bil­dung ist not­wen­dig für das Be­stehen der Eig­nungs­prü­fung im Fach Mu­sik, die Vor­aus­set­zung für die Auf­nah­me des Stu­di­ums ist. Der ei­ge­nen Schul­zeit folgt – nach be­stan­de­ner Eig­nungs­prü­fung – die (Mu­sik-)Leh­rer*in­nen­bil­dung an Uni­ver­si­tä­ten, Päd­ago­gi­schen Hoch­schu­len oder Mu­sik­hoch­schu­len (vgl. Brun­ner et al. 2021, S. 54; Stan­ge & Zöll­ner-Dress­ler 2021, S. 9). An die uni­ver­si­tä­re Leh­rer*in­nen­bil­dung schließt sich die Be­rufs­pra­xis als Fort- und Wei­ter­bil­dung an. Sie be­ginnt mit dem Be­rufs­ein­stieg (vgl. Schnei­der 2021, S. 15); bei Lehr­per­so­nen ist das Re­fe­ren­da­ri­at der Ein­stieg in den Be­ruf.

 

Me­tho­de

Die Tran­skrip­tio­nen der In­ter­views wur­den mit Hil­fe der Soft­ware „f4tran­skript“ er­stellt. Die Aus­wer­tung folgt me­tho­disch der „Re­fle­xi­ven Groun­ded Theo­ry“ nach Franz Breu­er et al. (vgl. Breu­er et al. 2019), die an der „Groun­ded Theo­ry“ nach Strauss und Cor­bin (1996) ori­en­tiert ist und sie um den (selbst-)re­fle­xi­ven As­pekt er­wei­tert. Das be­deu­tet, dass im For­schungs­pro­zess auch „die Er­fah­run­gen, Ein­drü­cke, In­spi­ra­tio­nen eine Rol­le [spie­len], die ich als For­schen­der beim Kon­takt und bei der Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Feld, den Feld­mit­glie­dern, den ent­stan­de­nen bzw. vor­ge­fun­de­nen Phä­no­me­nen re­gis­trie­ren kann“ (Breu­er et al. 2019, S. 164). Die Ana­ly­se der Da­ten nach dem Ko­dier­pa­ra­dig­ma der Groun­ded Theo­ry ist ein zir­ku­lä­rer Pro­zess, der aus dem of­fe­nen, axia­len so­wie se­lek­ti­ven Ko­die­ren be­steht und durch­ge­hend vom Me­mo­schrei­ben be­glei­tet wird (vgl. Breu­er et al. 2019; Strauss & Cor­bin 1996). Zur Un­ter­stüt­zung bei der Aus­wer­tung wur­de die Soft­ware „At­las.ti“ ver­wen­det, da sie ins­be­son­de­re auf das Ar­bei­ten mit „Groun­ded-Theo­ry“-Stu­di­en zu­ge­schnit­ten ist (vgl. u.a. Bryant & Char­maz 2019, S. 285).

 

For­schungs­er­geb­nis­se

Zen­tra­le Er­geb­nis­se der Stu­die sind, dass sich die grund­sätz­li­chen Sicht­wei­sen der an­ge­hen­den Lehr­per­so­nen be­züg­lich ‚gu­ten Mu­sik­un­ter­richt‘ zwi­schen dem Ende des Stu­di­ums und dem Ende des Re­fe­ren­da­ri­ats nicht ge­än­dert ha­ben und die Be­rück­sich­ti­gung der in­di­vi­du­el­len Sicht­wei­sen der an­ge­hen­den Lehr­per­so­nen aus­schlag­ge­bend für ihr Er­folgs­er­le­ben im Stu­di­um und Re­fe­ren­da­ri­at sind.

 

Dank

Ich möch­te mich herz­lich be­dan­ken bei Da­vid Hübsch für die Un­ter­stüt­zung bei der Tran­skrip­ti­on und Aus­wer­tung der In­ter­views.

 

Fra­gen & Kon­takt

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