Junge Talente rocken Bayreuths Grünen Hügel
Seit 150 Jahren ist kein Opernfestival der Welt so untrennbar mit dem Werk eines einzigen Künstlers verbunden wie die Bayreuther Festspiele. Richard Wagner eröffnete dort im August 1876 sein neuartiges Festspielhaus und seitdem begeistern seine Musikdramen Menschen aus aller Welt. Unter ihnen sind jedes Jahr über 200 Musiker*innen, Sänger*innen und andere Bühnenschaffende im Alter von 18 bis 35 Jahren, die den Grünen Hügel dank der Bayreuth-Stipendien der Richard-Wagner-Stipendienstiftung und der weltweiten Richard-Wagner-Verbände bei freiem Eintritt erleben können. Der Richard-Wagner-Verband (RWV) Frankfurt am Main vergibt alljährlich zehn dieser begehrten Förderungen; vier davon gehen an Studierende der HfMDK.
Im Sommer 2026 feiern die Festspiele „150 Jahre Bayreuth“ und diese HfMDK-Studierenden sind dabei:
Demir Alpdündar studiert Oboe im vierten Semester Bachelor bei Prof. Fabian Menzel. Sein erster Kontakt mit Richard Wagner fand bereits im ersten Semester statt. Aus eigenem Interesse meldete sich Demir zu einer Vorlesung der Musikwissenschaften an, die von Dr. Anatol Riemer gehalten wurde. Die Vorlesung behandelte Theodor W. Adornos Schrift „Versuch über Wagner“. Dies war nicht nur Demirs erster inspirierender Kontakt mit dem Wagner-Kosmos, sondern auch sein erster Einblick in die Welt der Oper. Sein wachsendes Interesse daran motivierte ihn schließlich dazu, Vorstellungen von „Tristan und Isolde“ am Staatstheater Darmstadt und „Parsifal“ an der Oper Frankfurt zu besuchen.
Cecilia García studiert im fünften Semester Musik auf Lehramt für Gymnasien mit Hauptfach Querflöte bei Betty Nieswandt. Erste Einblicke in einen professionellen Theaterbetrieb erhielt Cecilia während eines Praktikums an der Oper Frankfurt. Dort war sie sowohl in der Orchesterabteilung als auch im Opernstudio tätig und konnte erste praktische Erfahrungen sammeln. Die Begegnungen mit dem Arbeitsalltag eines großen Opernhauses weckten ihr Interesse für den Kulturbetrieb nachhaltig. Das Bayreuth-Stipendium bietet ihr nun die großartige Möglichkeit, ein international bedeutendes Opernfestival aus nächster Nähe kennenzulernen, musikdramatische Prozesse vertieft zu beobachten und ihre Kenntnisse in diesem Bereich zu erweitern.
Ella Gehrmann studiert seit dem Wintersemester 2022/2023 Gesang bei Prof. Thomas Heyer. Für die Sopranistin zählt Richard Wagner zu den eindrucksvollsten und prägendsten Komponisten der Musikgeschichte. Seine Werke beeindrucken sie nicht nur durch ihre musikalische Komplexität, sondern vor allem durch ihre emotionalen und philosophischen Dimensionen. Die Kompositionen, Lyrik, Dramaturgie und tiefgründige Rollenstrukturen machen die Opern Wagners in ihren Augen zu unvergleichbaren Werken. Sie ist davon überzeugt, dass der Besuch der Bayreuther Festspiele ihr Verständnis von Musiktheater grundlegend prägen wird und zur wertvollen künstlerischen Weiterbildung beiträgt.
Artūrs Oskars Mitrevics studiert seit Herbst 2025 Orchesterleitung bei Prof. Johannes Schlaefli und Prof. Christoph Altstaedt. Der umfassend ausgebildete Pianist und Dirigent bezeichnet sich selbst als „Wagnerianer im Werden“. Schon als Junge im Knabenchor sang Artūrs in Wagners „Rienzi“ an der Lettischen Nationaloper, später auch in „Tannhäuser“ und „Der fliegende Holländer“. Seit einem prägenden Konzerterlebnis in Riga hat er Wagners „Ring des Nibelungen“ gründlich analysiert und große Teile am Klavier durchgearbeitet. An der HfMDK wirkte er kürzlich in der „Wagner-Werkstatt – Das Rheingold“ mit. Dank einer Vermittlung des Richard-Wagner-Verbandes wird er unmittelbar vor Bayreuth dem Dirigenten der „Meistersinger“-Neuproduktion am Theater Minden assistieren.
Am Dienstag, 23. Juni, um 19:30 Uhr stellen sich alle diesjährigen Bayreuth-Stipendiat*innen des RWV Frankfurt im Kleinen Saal von Dr. Hoch’s Konservatorium musikalisch vor – der Eintritt zu diesem Konzert ist frei.
Das Bayreuth-Stipendium vom 22. bis 27. August 2026
Anlässlich des Bayreuther Festspieljubiläums wird mit „Rienzi“ eine der frühen Wagner-Opern präsentiert, die sonst nicht zum sog. Bayreuth-Kanon gehört. Die Bayreuth-Stipendiat*innen erleben die große romantische Oper am 24. August. Zudem besuchen sie die Aufführungen „Der fliegende Holländer“ (23. August) und „Parsifal“ (25. August). Am 26. August sind sie zum Internationalen Stipendiatenkonzert der Richard-Wagner-Stipendienstiftung Bayreuth eingeladen und können sich um eine Mitwirkung im Konzertprogramm bewerben. Kostenfrei untergebracht sind die meisten der über 200 jungen Festspielgäste in der Bayreuther Jugendherberge; ein umfangreiches Rahmenprogramm sorgt für viele gemeinsame Aktivitäten.
Die Idee der Richard-Wagner-Stipendienstiftung
Im Mai 1882 formulierte Richard Wagner den Wunsch, jenen Menschen den kostenfreien Besuch seiner Festspiele zu ermöglichen, die es sich aus wirtschaftlichen Gründen sonst nicht leisten könnten. Dafür solle eine Stiftung ins Leben gerufen werden und dem Zweck dienen, den Bayreuther Festspielgedanken zu fördern und zu vertiefen. Zur Verwirklichung dieses Zwecks ermöglicht die Richard-Wagner-Stipendienstiftung Bayreuth heute in Kooperation mit den lokalen Wagner-Verbänden begabten angehenden Künstler*innen und Bühnenschaffenden den Besuch mehrerer Aufführungen der Bayreuther Festspiele und so das unmittelbare Nachvollziehen der revolutionären Festspielidee Richard Wagners.
170 Bayreuth-Stipendien für die HfMDK seit 1959
Die ersten sieben Bayreuth-Stipendien nach seiner Wiedergründung lobte der Richard-Wagner-Verband Frankfurt im Jahr 1959 exklusiv zugunsten der Hochschule aus. Bis heute kamen rund 170 HfMDK-Studierende in den Genuss dieser besonderen Förderung; unter ihnen sind Künstlerpersönlichkeiten, die Weltkarrieren gemacht haben: die Altistin Ortrun Wenkel (1961; Klasse Paul Lohmann) sowie die von Martin Gründler ausgebildeten Tenöre Robert Schunk (1967), Christoph Prégardien und Wolfgang Schmidt (beide 1979). Weitere Bayreuth-Stipendien werden jährlich an Studierende von Dr. Hoch’s Konservatorium und an den künstlerischen Nachwuchs der Oper Frankfurt vergeben.
Der Richard-Wagner-Verband (RWV) Frankfurt am Main
Im November 1910 gründete sich der erste Frankfurter Ortsverband. Daraus entwickelte sich insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg eine Kulturinstitution, die bis heute über 430 junge Bühnenschaffende mit Bayreuth-Stipendien gefördert hat. In Frankfurt engagieren sich aktuell 230 Mitglieder; weltweit sind es 17.000 Menschen in 125 Ortsverbänden. Neben der Nachwuchsförderung bietet der „etwas andere Fanclub“ interessierten Musikliebhaber*innen ein abwechslungsreiches Programm mit Opern-, Konzert- und Museumsbesuchen, Kulturreisen ins In- und Ausland, Probenbesuchen, Vorträgen, Konzerten, Mitgliedertreffen und vielem mehr > www.rwv-ffm.de
Die HfMDK bedankt sich herzlich beim Richard-Wagner-Verband Frankfurt am Main e.V. für die großzügige Unterstützung!





