ProDiMuk
Professionalisierung diversitätssensibler Praxis in der musikalisch-kulturellen Bildung
In der Diskussion um Inklusion gilt musikalisch-kulturelle Bildung einerseits als besonders geeignet für inklusive Bildung. Andererseits deuten empirische Befunde darauf hin, dass Differenzsetzungen und exkludierende Mechanismen auch in inklusiven Musik- bzw. Musizierunterrichtssettings auffindbar sind.
Das Verbundprojekt ProDiMuk lotet dieses Spannungsfeld aus und zielt auf den Transfer der Erkenntnisse in Praxisfelder, um nachhaltige Impulse für die inklusionsorientierte musikalisch-kulturelle Bildungspraxis sowie für Hochschullehre und Weiterbildung zu setzen.
Inklusionsorientierte musikpädagogische Praxis wird dabei konkret am Beispiel von Lehr-Lernsettings betrachtet, an denen Schüler*innen mit sogenannter geistiger Behinderung beteiligt sind.
Im Verbund werden zwei unterschiedliche Bildungskontexte in den Blick genommen:
- Musikunterricht an inklusiven Schulen und Förderschulen
- inklusionsorientierter Unterricht an Musikschulen
»Die Einblicke in ProDiMuk verdeutlichen mir die Vielfalt inklusiver Formen des gemeinsamen Musizierens und zeigen, wie viel Freude die geteilte musikalische Erfahrung bringen kann.«(Johanna Hüge, Studentische Mitarbeiterin)
Interviews und Professionalisierungsbausteine: Die Methoden und die Ziele des Projekts
ProDiMuk untersucht dazu folgende Fragen mit Hilfe interview- und videobasierter Forschungszugänge:
- Wie entstehen Differenzkonstruktionen von Lehrkräften vor dem Hintergrund biografischer Erfahrungen und professionsbezogener Beliefs?
- Wie werden Differenzen in unterrichtlichen Situationen interaktiv hergestellt und (ir)relevant gesetzt?
- Wie können musikbezogene Praktiken das Irrelevant-Setzen von Differenzmarkierungen der Behinderung ermöglichen?
ProDiMuk liefert damit Antworten auf die Fragen, wie sich musikalische Bildung weiterentwickeln muss, um bestmöglich zur Bildungsteilhabe und zur persönlichen Entfaltung von Schüler*innen mit unterschiedlichen Ausgangslagen beizutragen und wie sich musikalische Bildung weiterentwickeln muss, um Diversität als selbstverständlichen und bereichernden Moment des Zusammenlebens zu erleben. Ziel ist die Reflexion diversitäts- und inklusionsbezogener Beliefs und die Etablierung einer entsprechenden Unterrichtspraxis entlang gesellschaftlicher Transformationsprozesse.
ProDiMuk entwickelt als Beitrag für die musik- bzw. musizierunterrichtliche Praxis frei zugängliche Professionalisierungsbausteine (Open Educational Resources) für inklusionsorientierte Hochschullehre und Weiterbildung. Hierzu gehören u. a. Fachtexte mit Reflexions- und Entwicklungsimpulsen sowie aufbereitete Video-Vignetten mit Kommentierungen und Bearbeitungsaufgaben für eine inklusionsorientierte musikpädagogische Fallarbeit mit Unterrichtsvideos.
»Mich begeistert an ProDiMuk die Möglichkeit gemeinsam mit Personen aus der musikpädagogischen Praxis forschen zu können. Ich verspreche mir davon besonders wertvolle Erkenntnisse mehr Inklusionsorientierung in der Musikpädagogik. «(Juliane Gerland, Professorin für empirische Musikpädagogik, Projektleitung Teilprojekt Frankfurt am Main)
Ko-konstruktive Forschung: Der Transferzirkel
Ein Transferzirkel, dem Personen aus Hochschule, Musikschule, Schule, Verbänden und Bildungspolitik angehören, sichert den Dialog zwischen Forschung und Praxis. Der Transferzirkel:
- diskutiert und berät zu den Forschungsaktivitäten,
- unterstützt bei Zugängen zum Feld,
- sorgt für eine angemessene Theorie-Praxis-Relationierung,
- berät im Hinblick auf die Entwicklung von Professionalisierungsbausteinen für die Hochschullehre und Weiterbildung und
- sichert damit den Wissenstransfer.
»„ProDiMuk“ ist für mich als angehende Lehrkraft relevant, weil es erforscht, wie inklusiver Unterricht gelingt und das eigene Handeln als Lehrperson reflektiert werden kann. «(Marie Steinberg, Studentische Mitarbeiterin)
Projektphasen und Arbeitspakete
»Die Verbindung verschiedener Forschungsmethoden und die enge Zusammenarbeit mit den Kolleg*innen im Verbundprojekt bietet mir die Möglichkeit, viele unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen und Erfahrungen für meine eigene Forschung zu sammeln.«(Rabea Beier, Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin)
Zwischen Hannover und Frankfurt: Zur Förderung und zu den Projektteams
ProDiMuk ist ein Kooperationsprojekt des Instituts für Sonderpädagogik an der Universität Hannover und der Professur für Empirische Musikpädagogik an der HfMDK Frankfurt. Das Projekt wird gefördert aus Mitteln des BMBFSFJ (Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend) unter dem Förderkennzeichen 01JKT2401B. Das Projekt läuft von 2024 bis 2027.
An der Universität Hannover wird das Projekt betreut von Prof. Dr. Imke Niedek und Felix Kappeller. (Ein Link zum dortigen Teilprojekt findet sich hier.)
An der HfMDK Frankfurt wird das Teilprojekt ProDiMuk-M durchgeführt und dabei von Prof. Dr. Juliane Gerland und Rabea Beier betreut.

