Rolf Riehm in memoriam

Rolf Riehm, HAnd am Ohr
Rolf Riehm, 2018 in der HfMDK(Photo: Björn Hadem)
pressemitteilung

Am 3. Ja­nu­ar ist Rolf Riehm im Al­ter von 88 Jah­ren ver­stor­ben. Die HfMDK nimmt Ab­schied von ei­nem gro­ßen Kom­po­nis­ten, der das Frank­fur­ter Mu­sik­le­ben und ins­be­son­de­re die Hoch­schu­le für Mu­sik und Dar­stel­len­de Kunst Frank­furt (HfMDK) ge­prägt hat: Rolf Riehm lehr­te hier von 1974 bis 2000 ein gu­tes Vier­tel­jahr­hun­dert lang als Pro­fes­sor für Kom­po­si­ti­on und Ton­satz.

»Die HfMDK trauert um einen besonderen Künstler und überaus engagierten Hochschullehrer. Rolf Riehm war klug, belesen, ein feiner Mensch. Er prägte Generationen von Komponist*innen durch sein Denken, sein Fragen und seine Menschlichkeit – und brachte ihnen weit mehr als Handwerk bei: Haltung zur Kunst, ein waches Bewusstsein für gesellschaftliche Verantwortung und die Fähigkeit, genau hinzuhören.«HfMDK-Präsident Prof. Elmar Fulda

Ihm ging es um Wahr­neh­mung der Ge­gen­wart und Ver­ant­wor­tung als Künst­ler in der heu­ti­gen Ge­sell­schaft. Ihm ging es um Mu­sik. Und um Dis­kurs. Rolf Riehm war ein po­li­ti­scher Mensch, ein Kom­po­nist, der ganz und gar in sei­ner Zeit stand. Wie kaum ein an­de­rer konn­te er zu­hö­ren und da­bei ins Stau­nen ge­ra­ten. Und kei­ner vor ihm, so der Jour­na­list Bernd Leu­kert, „hat ei­nen so kom­ple­xen Kos­mos aus phi­lo­so­phi­schen Re­fle­xio­nen, his­to­ri­schen Fak­ten, My­then, Mär­chen, Er­in­ne­run­gen, na­tur­wis­sen­schaft­li­chen Ar­gu­men­ten, Er­ha­be­nem und Tri­via­lem, ak­tu­el­len ge­sell­schafts­po­li­ti­schen Be­fun­den, ganz per­sön­li­chen Zu­ta­ten und Zu­wen­dun­gen mu­si­ka­lisch ver­sinn­licht“.

Noch be­vor er ab 1958 sein Kom­po­si­ti­ons­stu­di­um bei Wolf­gang Fort­ner in Frei­burg auf­nahm, stu­dier­te er Schul­mu­sik in Frank­furt. Da­nach war er als Solo-Obo­ist tä­tig, u.a. bei den In­ter­na­tio­na­len Fe­ri­en­kur­sen Darm­stadt 1966. Dann wie­der Frank­furt: Riehm wur­de Mit­be­grün­der der Frank­fur­ter Ver­ei­ni­gung für Mu­sik, die von 1964 bis 1970 exis­tier­te. 1968 er­hielt er den „Pre­mio Marz­ot­to per la Mu­si­ca” und ein Sti­pen­di­um der Vil­la Mas­si­mo, das ihm ei­nen Auf­ent­halt in Rom er­mög­lich­te. Von 1976 bis 1981 war er au­ßer­dem Mit­glied des le­gen­dä­ren „So­ge­nann­ten Links­ra­di­ka­len Blas­or­ches­ters“ Frank­furt.

Rolf Riehm blieb der HfMDK bis zu­letzt ver­bun­den. 2018 lud ihn die Hoch­schu­le zu ei­nem Work­shop und ein Ge­sprächs­kon­zert ein, 2023 saß er bei der Neu­en Mu­sik Nacht auf dem Po­di­um ei­ner Dis­kus­si­ons­ver­an­stal­tung.

»Wir haben uns viel zugehört und uns ausgetauscht. Aber noch so vieles wäre zu sagen gewesen. Danke für alles! Über sein Stück ‚Hamamuth – Stadt der Engel‘ für Klavier sagte Rolf Riehm einmal: ‚In der Zerstörung ist das ‚Heilige‘ besonders gegenwärtig‘. In Rolf Riehms Tod wird uns die große Bedeutung und Menschlichkeit seines Wesens und Schaffens besonders gegenwärtig.«Dr. Karin Dietrich, Geschäftsführerin des Instituts für Zeitgenössische Musik (IzM) der HfMDK
Portrait

Pressefoto: Rolf Riehm, 2018

Rolf Riehm, HAnd am Ohr

Pressefoto: Rolf Riehm (2)

Pres­se­kon­takt