Parallaxen – Digitale Perspektiven in der Kunst
Wenn Klang, Raum und Technologie aufeinandertreffen, entstehen neue künstlerische Erfahrungswelten: Vom 4. bis 6. Mai lädt das dreitägige Ausstellungsevent „Parallaxen“ in die Naxoshallen in Frankfurt ein. Mit Konzerten, Performances und Installationen eröffnet das Kooperationsprojekt „Digitale Perspektiven in der Kunst“ einen vielschichtigen Blick auf zeitgenössische Kunst im digitalen Zeitalter.
Ein Projekt der vier hessischen Kunsthochschulen – der Hochschule für Gestaltung Offenbach, der Städelschule Frankfurt, der Kunsthochschule Kassel und der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt (HfMDK). Kuratiert von Salomé Menzel und Supattra Nink Tan, versammelt das Programm über 20 Künstler*innen, Studierende und Alumni, die mit innovativen Ansätzen zwischen Medienkunst, Klangforschung und performativen Formaten arbeiten.
Im Zentrum steht die Frage, wie digitale Technologien künstlerische Prozesse verändern – und welche neuen ästhetischen Räume daraus entstehen. Die Ausstellung wird dabei von zwei besonderen Konzertabenden umrahmt:
Zur Eröffnung am 4. Mai um 19 Uhr präsentiert die HfMDK das Konzert „Digitale Perspektiven 2.0“. Ein Höhepunkt ist die Uraufführung einer neuen Komposition von Marcus Schmickler für die außergewöhnliche Papierrohrorgel. Dieses eigens entwickelte Instrument verbindet akustische Rückkopplung mit präziser elektronischer Steuerung und eröffnet ein faszinierendes Spektrum zwischen organischem Klang und digitaler Konstruktion.
Den Abschluss bildet am 6. Mai um 19.30 Uhr ein Konzert zu Ehren des britischen Komponisten und Elektronikpioniers Trevor Wishart, der in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag feiert. Das Studio für Elektronische Musik und Akustik der HfMDK widmet ihm einen Abend mit immersiven und akusmatischen Werken, die eindrucksvoll die Möglichkeiten elektronischer Klanggestaltung ausloten.
„Parallaxen“ versteht sich als Plattform für Austausch, Experiment und künstlerische Forschung. Besucher*innen erwartet ein offenes, interdisziplinäres Format, das dazu einlädt, digitale Kunst aus neuen Perspektiven zu erleben – sinnlich, kritisch und überraschend.
Weitere Informationen zum Programm: digitaleperspektiven.net
Informationen zum Veranstaltungsort: produktionshausnaxos.de
Das Projekt „Digitale Perspektiven in der Kunst“ ist Teil des Masterplans Kultur des Landes Hessen und wird gefördert durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur sowie das Hessische Ministerium für Digitalisierung und Innovation.
Die Papierrohrorgel
Die Papierrohrorgel wurde ursprünglich am ICST Zürich von Nikki Buzzi entwickelt und zwischen 2022 und 2024 an der HfMDK Frankfurt erweitert und von Prof. Orm Finnendahl mit einer umfangreichen Steuersoftware ausgestattet. Ihre Funktionsweise basiert auf dem Prinzip der akustischen Rückkopplung zwischen einem Mikrofon und einem Lautsprecher, die durch Röhren auf bestimmte Grundfrequenzen und ihre harmonischen Partialtöne gestimmt werden.
Im Unterschied zu traditionellen Musikinstrumenten, bei denen die Spektren nur in begrenztem Maße durch mechanische Mittel manipuliert werden können, ermöglicht die Papierrohrorgel aufgrund der präzisen elektronischen Steuerung, die in dem System entstehenden Rückkopplungen zwischen Mikrofon und Lautsprecher für die ersten 16 Partialtöne eines Rohres zu stabilisieren und in Lautstärke und Frequenz zu kontrollieren (zu isolieren, separat zu verstimmen, etc.). Bei 8 Rohren werden insgesamt ca. 800 Parameter simultan gesteuert, die den Klang maßgeblich beeinflussen.
Die Herausforderung bei der Entwicklung einer Komposition für dieses Instrument ist das sorgsame Ausbalancieren dieser Parameter. Auf diese Art und Weise kann das gesamte Spektrum zwischen scheinbar „natürlichen“ Partialtongebilden und der Künstlichkeit des elektroakustischen Klangs ausgelotet werden.
Die Papierrohrorgel wurde seit 2024 bei verschiedenen Anlässen in installativen oder Konzertkontexten mit und ohne Live-Performer*Innen eingesetzt.
Marcus Schmickler
Marcus Schmickler arbeitet in der zeitgenössischen und elektronischen Komposition und verbindet computerbasierte - und Instrumental-Musik mit einem forschenden Ansatz. Seine Mehrkanalwerke wurden auf internationalen Bühnen aufgeführt und beschäftigen sich mit der Formalisierung von mit psychoakustischen und Wahrnehmungsphänomenen wie Shepard-Tönen und Datensonifikation. Schmickler schreibt zu Themen der Computermusik und hat mehrere Preise gewonnen, darunter den Rom Preis der deutschen Akademie. Er lehrte am Bard College, am CalArts, an der Robert Schumann Hochschule und am IEM in Graz. Seine Kompositionen wurden international von renommierten Ensembles aufgeführt. Er lebt in Köln und Wien.
Trevor Wishart
Trevor Wishart hat sich auf Klangmetamorphosen und die Entwicklung der dafür erforderlichen Software (Sound Loom / CDP) spezialisiert. Als Composer-in-Residence lebte und arbeitete er in Australien, Kanada, Deutschland, den Niederlanden, Schweden, Mexiko und den USA. Er schafft Musik mit seiner eigenen Stimme, für professionelle Ensembles oder in imaginären Welten, die im Studio heraufbeschworen werden. Zudem ist er der Hauptentwickler von Musikbearbeitungssoftware für das Composer’s Desktop Project. Seine ästhetischen und technischen Ideen sind in den Büchern „On Sonic Art“, „Audible Design“ und „Sound Composition“ beschrieben. Im Jahr 2008 wurde er für sein Lebenswerk mit dem internationalen Giga-Herz-Großpreis ausgezeichnet, und 2018 erhielt er den Preis für Innovation der British Association of Songwriters, Composers and Authors (BASCA).

Papierrohrorgel (Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe)
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Marcus Schmickler
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Trevor Wishart
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