Parallaxen – Digitale Perspektiven in der Kunst

Schmickler
(Photo: Alberto Novell)
pressemitteilung
Videostill T. Wishart
(Photo: Steina Vasulka (Videostill aus Video Trevor))

Wenn Klang, Raum und Tech­no­lo­gie auf­ein­an­der­tref­fen, ent­ste­hen neue künst­le­ri­sche Er­fah­rungs­wel­ten: Vom 4. bis 6. Mai lädt das drei­tä­gi­ge Aus­stel­lungs­event „Par­al­la­xen“ in die Na­xoshal­len in Frank­furt ein. Mit Kon­zer­ten, Per­for­man­ces und In­stal­la­tio­nen er­öff­net das Ko­ope­ra­ti­ons­pro­jekt „Di­gi­ta­le Per­spek­ti­ven in der Kunst“ ei­nen viel­schich­ti­gen Blick auf zeit­ge­nös­si­sche Kunst im di­gi­ta­len Zeit­al­ter.

Ein Pro­jekt der vier hes­si­schen Kunst­hoch­schu­len – der Hoch­schu­le für Ge­stal­tung Of­fen­bach, der Stä­del­schu­le Frank­furt, der Kunst­hoch­schu­le Kas­sel und der Hoch­schu­le für Mu­sik und Dar­stel­len­de Kunst Frank­furt (HfMDK). Ku­ra­tiert von Sa­lo­mé Men­zel und Su­pat­tra Nink Tan, ver­sam­melt das Pro­gramm über 20 Künst­ler*in­nen, Stu­die­ren­de und Alum­ni, die mit in­no­va­ti­ven An­sät­zen zwi­schen Me­di­en­kunst, Klang­for­schung und per­for­ma­ti­ven For­ma­ten ar­bei­ten.

Im Zen­trum steht die Fra­ge, wie di­gi­ta­le Tech­no­lo­gi­en künst­le­ri­sche Pro­zes­se ver­än­dern – und wel­che neu­en äs­the­ti­schen Räu­me dar­aus ent­ste­hen. Die Aus­stel­lung wird da­bei von zwei be­son­de­ren Kon­zert­aben­den um­rahmt:

Zur Er­öff­nung am 4. Mai um 19 Uhr prä­sen­tiert die HfMDK das Kon­zert „Di­gi­ta­le Per­spek­ti­ven 2.0“. Ein Hö­he­punkt ist die Ur­auf­füh­rung ei­ner neu­en Kom­po­si­ti­on von Mar­cus Schmick­ler für die au­ßer­ge­wöhn­li­che Pa­pier­rohr­or­gel. Die­ses ei­gens ent­wi­ckel­te In­stru­ment ver­bin­det akus­ti­sche Rück­kopp­lung mit prä­zi­ser elek­tro­ni­scher Steue­rung und er­öff­net ein fas­zi­nie­ren­des Spek­trum zwi­schen or­ga­ni­schem Klang und di­gi­ta­ler Kon­struk­ti­on.

Den Ab­schluss bil­det am 6. Mai um 19.30 Uhr ein Kon­zert zu Eh­ren des bri­ti­schen Kom­po­nis­ten und Elek­tro­nik­pio­niers Tre­vor Wis­hart, der in die­sem Jahr sei­nen 80. Ge­burts­tag fei­ert. Das Stu­dio für Elek­tro­ni­sche Mu­sik und Akus­tik der HfMDK wid­met ihm ei­nen Abend mit im­mer­si­ven und akus­ma­ti­schen Wer­ken, die ein­drucks­voll die Mög­lich­kei­ten elek­tro­ni­scher Klang­ge­stal­tung aus­lo­ten.

„Par­al­la­xen“ ver­steht sich als Platt­form für Aus­tausch, Ex­pe­ri­ment und künst­le­ri­sche For­schung. Be­su­cher*in­nen er­war­tet ein of­fe­nes, in­ter­dis­zi­pli­nä­res For­mat, das dazu ein­lädt, di­gi­ta­le Kunst aus neu­en Per­spek­ti­ven zu er­le­ben – sinn­lich, kri­tisch und über­ra­schend.

Wei­te­re In­for­ma­tio­nen zum Pro­gramm: di­gi­tale­per­spek­ti­ven.net 
In­for­ma­tio­nen zum Ver­an­stal­tungs­ort: pro­duk­ti­ons­haus­na­xos.de

Das Pro­jekt „Di­gi­ta­le Per­spek­ti­ven in der Kunst“ ist Teil des Mas­ter­plans Kul­tur des Lan­des Hes­sen und wird ge­för­dert durch das Hes­si­sche Mi­nis­te­ri­um für Wis­sen­schaft und For­schung, Kunst und Kul­tur so­wie das Hes­si­sche Mi­nis­te­ri­um für Di­gi­ta­li­sie­rung und In­no­va­ti­on.

Er­öff­nung und Kon­zert "Di­gi­ta­le Per­spek­ti­ven 2.0" 

Naxoshalle Frankfurt
free admission

Ge­burts­tags­kon­zert Tre­vor Wis­hart

Naxoshalle Frankfurt
free admission

Die Pa­pier­rohr­or­gel

Die Pa­pier­rohr­or­gel wur­de ur­sprüng­lich am ICST Zü­rich von Nik­ki Buz­zi ent­wi­ckelt und zwi­schen 2022 und 2024 an der HfMDK Frank­furt er­wei­tert und von Prof. Orm Fin­nen­dahl mit ei­ner um­fang­rei­chen Steu­er­soft­ware aus­ge­stat­tet. Ihre Funk­ti­ons­wei­se ba­siert auf dem Prin­zip der akus­ti­schen Rück­kopp­lung zwi­schen ei­nem Mi­kro­fon und ei­nem Laut­spre­cher, die durch Röh­ren auf be­stimm­te Grund­fre­quen­zen und ihre har­mo­ni­schen Par­ti­al­tö­ne ge­stimmt wer­den. 
Im Un­ter­schied zu tra­di­tio­nel­len Mu­sik­in­stru­men­ten, bei de­nen die Spek­tren nur in be­grenz­tem Maße durch me­cha­ni­sche Mit­tel ma­ni­pu­liert wer­den kön­nen, er­mög­licht die Pa­pier­rohr­or­gel auf­grund der prä­zi­sen elek­tro­ni­schen Steue­rung, die in dem Sys­tem ent­ste­hen­den Rück­kopp­lun­gen zwi­schen Mi­kro­fon und Laut­spre­cher für die ers­ten 16 Par­ti­al­tö­ne ei­nes Roh­res zu sta­bi­li­sie­ren und in Laut­stär­ke und Fre­quenz zu kon­trol­lie­ren (zu iso­lie­ren, se­pa­rat zu ver­stim­men, etc.). Bei 8 Roh­ren wer­den ins­ge­samt ca. 800 Pa­ra­me­ter si­mul­tan ge­steu­ert, die den Klang maß­geb­lich be­ein­flus­sen. 
Die Her­aus­for­de­rung bei der Ent­wick­lung ei­ner Kom­po­si­ti­on für die­ses In­stru­ment ist das sorg­sa­me Aus­ba­lan­cie­ren die­ser Pa­ra­me­ter. Auf die­se Art und Wei­se kann das ge­sam­te Spek­trum zwi­schen schein­bar „na­tür­li­chen“ Par­ti­al­ton­ge­bil­den und der Künst­lich­keit des elek­tro­akus­ti­schen Klangs aus­ge­lo­tet wer­den. 
Die Pa­pier­rohr­or­gel wur­de seit 2024 bei ver­schie­de­nen An­läs­sen in in­stal­la­ti­ven oder Kon­zert­kon­tex­ten mit und ohne Live-Per­for­mer*In­nen ein­ge­setzt. 

Mar­cus Schmick­ler

Mar­cus Schmick­ler ar­bei­tet in der zeit­ge­nös­si­schen und elek­tro­ni­schen Kom­po­si­ti­on und ver­bin­det com­pu­ter­ba­sier­te - und In­stru­men­tal-Mu­sik mit ei­nem for­schen­den An­satz. Sei­ne Mehr­ka­nal­wer­ke wur­den auf in­ter­na­tio­na­len Büh­nen auf­ge­führt und be­schäf­ti­gen sich mit der For­ma­li­sie­rung von mit psy­cho­akus­ti­schen und Wahr­neh­mungs­phä­no­me­nen wie She­pard-Tö­nen und Da­ten­so­ni­fi­ka­ti­on. Schmick­ler schreibt zu The­men der Com­pu­ter­mu­sik und hat meh­re­re Prei­se ge­won­nen, dar­un­ter den Rom Preis der deut­schen Aka­de­mie. Er lehr­te am Bard Col­le­ge, am CalArts, an der Ro­bert Schu­mann Hoch­schu­le und am IEM in Graz. Sei­ne Kom­po­si­tio­nen wur­den in­ter­na­tio­nal von re­nom­mier­ten En­sem­bles auf­ge­führt. Er lebt in Köln und Wien.

Tre­vor Wis­hart

Tre­vor Wis­hart hat sich auf Klang­me­ta­mor­pho­sen und die Ent­wick­lung der da­für er­for­der­li­chen Soft­ware (Sound Loom / CDP) spe­zia­li­siert. Als Com­po­ser-in-Re­si­dence leb­te und ar­bei­te­te er in Aus­tra­li­en, Ka­na­da, Deutsch­land, den Nie­der­lan­den, Schwe­den, Me­xi­ko und den USA. Er schafft Mu­sik mit sei­ner ei­ge­nen Stim­me, für pro­fes­sio­nel­le En­sem­bles oder in ima­gi­nä­ren Wel­ten, die im Stu­dio her­auf­be­schwo­ren wer­den. Zu­dem ist er der Haupt­ent­wick­ler von Mu­sik­be­ar­bei­tungs­soft­ware für das Com­po­ser’s Desk­top Pro­ject. Sei­ne äs­the­ti­schen und tech­ni­schen Ide­en sind in den Bü­chern „On So­nic Art“, „Au­di­ble De­sign“ und „Sound Com­po­si­ti­on“ be­schrie­ben. Im Jahr 2008 wur­de er für sein Le­bens­werk mit dem in­ter­na­tio­na­len Giga-Herz-Groß­preis aus­ge­zeich­net, und 2018 er­hielt er den Preis für In­no­va­ti­on der Bri­tish As­so­cia­ti­on of Song­wri­ters, Com­po­sers and Aut­hors (BAS­CA).

Instrumentenfoto, Zentrum für Kunst udn MEdian Karlsruhe

Papierrohrorgel (Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe)

Pres­se­fo­to

Schmickler

Marcus Schmickler

Pres­se­fo­to

Videostill T. Wishart

Trevor Wishart

Pres­se­fo­to

Pres­se­kon­takt