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Bunte Illustration mit z.B. einem Handy, Sprechblasen, Telefonhörern, einem offenen Fenster und Uhrzeigern in der Mitte.
(Photo: Jan Buchczik)
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Die so­zia­len Me­di­en spie­len nicht nur im Pri­va­ten, son­dern auch im Be­rufs­le­ben eine im­mer grö­ße­re und wich­ti­ge­re Rol­le. Den­noch ha­ben sich die Schau­spiel­stu­den­tin­nen Li­lith Bor­chert und Da­scha Du­mont be­wusst ge­gen de­ren Nut­zung ent­schie­den.

Text: Irem Cati

Wer ein Smart­phone hat, kennt es ver­mut­lich: Jede Wo­che lie­fert das Ge­rät eine klei­ne Ab­rech­nung über die Bild­schirm­zeit, die in den ver­gan­ge­nen sie­ben Ta­gen zu­sam­men­ge­kom­men ist. Vier, fünf oder so­gar sechs Stun­den täg­lich sind längst kei­ne Sel­ten­heit – und das be­zieht sich nur auf das Smart­phone. Schnell stellt sich die Fra­ge: Wo ist all die­se Zeit ge­blie­ben?

Die Ant­wort scheint na­he­lie­gend. Ein Reel hier, ein Tik­Tok dort, noch eine Sto­ry, noch ein Swi­pe. Aus we­ni­gen Mi­nu­ten wer­den Stun­den. Für vie­le jun­ge Men­schen ge­hö­ren so­zia­le Netz­wer­ke heu­te selbst­ver­ständ­lich zum All­tag. Sie sind Treff­punkt, Un­ter­hal­tung und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel. Das birgt al­ler­dings auch Ge­fah­ren: Die Sucht­pro­ble­me bei Kin­dern und Ju­gend­li­chen lie­gen noch deut­lich über dem Vor-Co­ro­na-Ni­veau von 2019. Auch das The­ma men­ta­le Ge­sund­heit wird in die­sem Zu­sam­men­hang im­mer wie­der zur Spra­che ge­bracht.

Ge­ra­de des­we­gen ha­ben sich Da­scha Du­mont und Li­lith Bor­chert, zwei Schau­spiel­stu­den­tin­nen der HfMDK Frank­furt, be­wusst ge­gen ein dau­er­haf­tes Auf­tre­ten in den so­zia­len Netz­wer­ken ent­schie­den. „Ich habe ei­nen still­ge­leg­ten Face­book-Ac­count, auf den ich ein­mal im Jahr zu­grei­fe und gu­cke, was mei­ne Kon­tak­te so ma­chen, aber da pas­siert meis­tens auch nichts“, er­zählt Li­lith. „In­sta­gram hat­te ich eine Wei­le, aber auch nur pri­vat.“ Ge­mein­sam mit ei­ner Kom­mi­li­to­nin hat sie vor über ei­nem Jahr ver­ein­bart, die­sen zu lö­schen. „Es hat mich nur noch ge­nervt und zu viel Zeit ge­fres­sen.“ Au­ßer­dem sei es ihr wich­tig, gro­ße Tech­gi­gan­ten wie Meta nicht wei­ter zu un­ter­stüt­zen.

„Ich habe die SIM-Kar­te aus mei­nem Smart­phone ge­nom­men und in mein al­tes No­kia-Han­dy ein­ge­setzt. Das habe ich zwei Jah­re lang be­nutzt, und das war die bes­te Zeit mei­nes Le­bens.“

Auch die 20-jäh­ri­ge Da­scha ist seit ei­ni­gen Jah­ren we­der pri­vat noch be­ruf­lich auf In­sta­gram und Co. ak­tiv. „Wäh­rend der Co­ro­na­pan­de­mie, als man nicht mit Freun­den raus­ge­hen und nur zu Hau­se chil­len konn­te, habe ich ge­merkt, was Han­dy­sucht mit ei­nem macht“, ge­steht sie.

Das Di­gi­ta­le wur­de in die­ser Zeit ihre Welt nach drau­ßen. „Und da ist mir auf­ge­fal­len, wie krass ich an die­sem Scheiß­ding hän­ge. Am Han­dy ge­ne­rell, vor al­lem aber an den gan­zen Apps. Ich hat­te Tik­Tok, ich hat­te Snap­chat, ich hat­te In­sta­gram, ich hat­te al­les.“ Ne­ben der vie­len Zeit, die sie auf den Platt­for­men ver­bracht hat, habe sie sich auch dazu ver­lei­tet ge­fühlt, sich mit an­de­ren zu ver­glei­chen, „und da­mit ging es mir gar nicht gut.“

Ir­gend­wann hat­te sie ge­nug: „Ich habe die SIM-Kar­te aus mei­nem Smart­phone ge­nom­men und in mein al­tes No­kia-Han­dy ein­ge­setzt. Das habe ich zwei Jah­re lang be­nutzt, und das war die bes­te Zeit mei­nes Le­bens.“ Nicht nur hat­te sie wie­der Zeit für die wich­ti­gen Din­ge im Le­ben, ihr ist auch auf­ge­fal­len, wie sehr die an­de­ren an ih­ren Smart­phones hän­gen.

Auch ihr Ab­itur ist in die­se Zeit ge­fal­len und sei am Ende ein Schul­ab­schluss ge­we­sen, „der so­gar Spaß ge­macht hat“. Erst als sie zwi­schen Schu­le und Stu­di­um auf Rei­sen ge­gan­gen ist, hat sie ihr Smart­phone wie­der aus der Schub­la­de ge­holt. „Da habe ich dann ge­merkt: ohne Smart­phone geht es lei­der nicht, vor al­lem für Na­vi­ga­ti­ons­pro­gram­me und um ein Airbnb zu bu­chen.“ Auf so­zia­le Netz­wer­ke ver­zich­tet sie aber bis heu­te. „Auf mei­nem Smart­phone sind nur die wich­tigs­ten Apps wie das Wet­ter, Goog­le, Whats­App, Te­le­fon und Fo­tos, tha­t's it.“

Handgezeichnetes Porträt von Dascha Dumont
(Foto: Jan Buchczik)

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Dascha Dumont steht im Rahmen ihres Studiojahres Schauspiel am Nationaltheater Mannheim gleich in zwei Produktionen auf der Bühne: Ab dem 15. November 2026 in „Die unendliche Geschichte“ und ab dem 29. Januar 2027 in „Freisein“ (u. a. von Joana Tischkau).

Bei Li­lith ist es ähn­lich. Apps wie Whats­App und You­Tube hat auch sie auf dem Han­dy. „Das sind auch Auf­merk­sam­keits­fän­ger, nach de­ren Nut­zung es mir sehr schwer­fällt, den Kon­takt zu mei­ner Um­welt wie­der­zu­fin­den“, sagt sie. „Selbst wenn man das Han­dy weg­legt, ist man nicht di­rekt be­reit für eine Un­ter­hal­tung, son­dern oft noch eine Zeit lang im Kopf wo­an­ders.“

Da­scha er­gänzt: „Ge­ra­de im Schau­spiel braucht man sei­ne kom­plet­te Wahr­neh­mung und Auf­merk­sam­keits­span­ne. Al­lein zum Text­ler­nen muss man sich lan­ge kon­zen­trie­ren kön­nen und darf sich nicht mit Dad­deln ab­len­ken.“ Un­ter­stüt­zung be­kom­men die bei­den da­bei von Fa­mi­lie, Freund*in­nen und Kom­mi­li­ton*in­nen. Vie­le be­stär­ken sie in ih­rer Ent­schei­dung und hal­ten den Kon­takt zu ih­nen ver­mehrt über Te­le­fo­nie­ren oder Sim­sen auf­recht.

Ei­nen Wer­muts­trop­fen gibt es aber doch: „Das Ein­zi­ge, was bei mir ei­nen ge­wis­sen Druck aus­löst, ist die be­ruf­li­che Kom­po­nen­te“, sagt Li­lith. „Da muss man doch ei­nen Weg fin­den, on­line sicht­bar zu blei­ben.“ Sie ken­ne kaum Leu­te in ih­rem Um­feld, die kei­nen ak­ti­ven So­cial-Me­dia-Auf­tritt hät­ten, au­ßer de­nen, die schon so er­folg­reich sei­en, dass sie auf ein gro­ßes Netz­werk zu­rück­grei­fen könn­ten. „Und selbst die ha­ben dann ei­ge­ne Web­sites“, sagt sie.

Denn längst ha­ben sich die so­zia­len Me­di­en auch auf das be­ruf­li­che Le­ben aus­ge­wei­tet. Nicht nur ar­bei­ten im­mer mehr Mar­ken und Un­ter­neh­men mit so­ge­nann­ten In­fluen­cer*in­nen zu­sam­men, die sich auf ein be­stimm­tes The­ma spe­zia­li­siert und eine gro­ße Zahl an Fol­lo­wern ge­won­nen ha­ben.

Auch in künst­le­ri­schen Be­ru­fen kann ein star­ker On­line-Auf­tritt zum Netz­wer­ken so­wie beim Er­gat­tern von Auf­trä­gen, Rol­len­an­ge­bo­ten, Wer­be­deals oder Kam­pa­gnen von Vor­teil sein. Dass heut­zu­ta­ge im­mer mehr Cas­ting-Agen­tu­ren, Thea­ter- oder Kon­zert­häu­ser auch in den so­zia­len Netz­wer­ken nach Schau­spie­ler*in­nen, Syn­chron­spre­cher* in­nen oder Nach­wuchs­sän­ger* in­nen su­chen und Rol­len zum Teil auf­grund ei­ner ho­hen Fol­lo­wer­zahl be­setzt wer­den, ist mitt­ler­wei­le ein Fakt, den man nicht au­ßer Acht las­sen darf.

Wie ist man heut­zu­ta­ge als Nach­wuchs­schau­spie­ler*in sicht­bar, wenn man kei­ne so­zia­len Me­di­en nutzt?

Das weiß auch Li­lith: „Eine Kom­mi­li­to­nin von mir hat in den letz­ten zwei Jah­ren sehr vie­le An­fra­gen zu Kurz­film­drehs über In­sta­gram be­kom­men“, er­zählt sie. „Das wa­ren zwar kei­ne Rie­sen­sa­chen, aber im­mer­hin ei­ni­ge, um Übung zu be­kom­men und Leu­te ken­nen­zu­ler­nen, wäh­rend ich hin­ge­gen in dem Zeit­raum nur drei Pro­jek­te ge­macht habe.“

Auch Da­scha ist schon in die Si­tua­ti­on ge­kom­men, in der sie nach ei­nem Cas­ting ge­fragt wur­de, ob sie ei­nen In­sta­gram- Ac­count habe. „Da habe ich dann na­tür­lich nicht so gute Chan­cen.“ Auch sie hört sich na­tür­lich in ih­rem Jahr­gang um. „Ich fra­ge mei­ne Kom­mi­li­ton*in­nen manch­mal, ob sie vie­le An­fra­gen über die­so­zia­len Me­di­en be­kom­men, und sie sa­gen, eher sel­ten und wenn, dann nur ko­mi­sche Sa­chen. Es loh­ne sich nicht, nur da­für In­sta­gram zu ha­ben.“

Aber selbst Da­schas Va­ter, der eben­falls als Schau­spie­ler tä­tig ist, sei von sei­ner Agen­tur auf­ge­for­dert wor­den, sich ei­nen In­sta­gram- Ac­count an­zu­le­gen, er­zählt sie. „Da pos­tet er jetzt vor al­lem Fo­tos von sich und Im­pres­sio­nen von sei­nen Drehs.“

Wie ist man heut­zu­ta­ge also vor al­lem als Nach­wuchs­schau­spie­ler* in sicht­bar, wenn man kei­ne so­zia­len Me­di­en nutzt? „Es gibt na­tür­lich Cas­ting- Agen­tu­ren wie Cast­for­ward, Cas­tu­pload oder Film­ma­kers, auf de­nen man sich re­gis­trie­ren kann und so­mit sicht­bar für die Cas­ting­ge­mein­schaft ist“, er­klärt Da­scha. So kön­ne man sich auch für Kurz- oder Wer­be­fil­me be­wer­ben, be­kom­me ein Skript zu­ge­schickt und wer­de fürs E-Cas­ting ein­ge­la­den. „Es dient aber auch als di­gi­ta­le Vi­si­ten­kar­te, so­dass man kon­tak­tiert wer­den kann, wenn man für be­stimm­te Rol­len in­fra­ge kommt.“

Au­ßer­dem wer­de man nach dem Stu­di­um au­to­ma­tisch in die Zen­tra­le Aus­lands- und Fach­ver­mitt­lung (ZAV) auf­ge­nom­men, weiß Li­lith. „Die ma­chen viel Ver­mitt­lungs­und Be­ra­tungs­ar­beit für ei­nen, vor­ran­gig für die Büh­ne.“ Vie­le Nach­wuchs­schau­spie­ler* in­nen su­chen sich zu­sätz­lich noch eine pri­va­te Agen­tur, so wie Da­scha. „Das macht für mich aber gra­de noch nicht so viel Sinn, weil ich durch mein Stu­di­um we­nig Zeit habe.“ Und für die Büh­ne brau­che man so­wie­so eine Aus­bil­dung, sagt Li­lith. „Da sind wir auf je­den Fall im Vor­teil.“

Handgezeichnetes Porträt von Lilith Borchert
(Foto: Jan Buchczik)

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Im September 2026 nahm Lilith Borchert am Exzellenzworkshop mit der renommierten Schauspielerin Katharina Bach teil. Live auf der Bühne ist sie beim Absolvierendenvorspiel am 23. Oktober 2026 um 19.30 Uhr im Kleinen Saal der Hochschule zu sehen.

Am Ende stellt sich die Fra­ge, ob sich die bei­den den­noch vor­stel­len kön­nen, ei­nes Ta­ges wie­der ak­tiv so­zia­le Me­di­en zu nut­zen. „Vor zwan­zig Jah­ren gab es noch gar kein In­sta­gram, da hat es auch ohne funk­tio­niert“, sagt Da­scha. Sie hofft, dass sich die Bran­che auch in Zu­kunft nicht da­hin­ge­hend ver­än­dern wer­de.

„Soll­te es den­noch so­weit kom­men, dass es ohne nicht mehr geht, wür­de ich mir ei­nen In­sta­gram-Ac­count als di­gi­ta­le Set­card mit Fo­tos und Links zu mei­nen ein­schlä­gi­gen Web­sites an­le­gen“, er­klärt Li­lith. Das könn­te sich auch Da­scha vor­stel­len. „Aber das will ich ei­gent­lich nicht, weil ich so nur an den Punkt ge­lan­gen wer­de, an dem ich schon war, und ich will ja wei­ter­kom­men und nicht zu mei­nen Feh­lern zu­rück­keh­ren.“

Bei­de wün­schen sich für ihre Zu­kunft, dass ih­nen auch wei­ter­hin Al­ter­na­ti­ven zu den so­zia­len Netz­wer­ken und den gro­ßen Mo­no­pol­platt­for­men blei­ben, um ih­rem Be­ruf nach­zu­ge­hen. Im Fo­kus soll­te im­mer noch ste­hen, ech­te Rol­len zu er­gat­tern, statt sich eine Kar­rie­re im In­ter­net auf­zu­bau­en. „Die Men­schen soll­ten sich be­wuss­ter dar­über wer­den, wie schäd­lich die­se Un­ter­neh­men für un­se­re De­mo­kra­tie und un­ser Zu­sam­men­le­ben sind“, be­tont Li­lith und gibt da­mit nicht nur ih­rer Ge­ne­ra­ti­on ei­nen wich­ti­gen Denk­an­stoß.

Text: Irem Cati
Il­lus­tra­tio­nen: Jan Buch­c­zik

Schwarz-weiße Illustration einer Person, aus deren Smartphone-Display ein schwarzes, alles überladendes Licht strömt.
(Photo: Jan Buchczik)

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