In memoriam Viktor Ullmann – Konzertabend an der HfMDK
Am Samstag, den 21. Februar 2026 lädt die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt (HfMDK) zu einem besonderen Konzertabend ein.
Unter dem Titel "In memoriam Viktor Ullmann" widmet sich das Programm einem Komponistenkreis, dessen Mitglieder eng verbunden waren – künstlerisch wie menschlich – und deren Lebenswege doch auf tragische Weise auseinandergerissen wurden.
Auf dem Programm stehen Werke von Viktor Ullmann, Arnold Schönberg, Alban Berg, Alexander von Zemlinsky, Franz Schreker, Alois Hába sowie eine Uraufführung von Dana Barak. Die Komponisten verband ein intensiver Austausch: Sie waren Kollegen, Freunde, Lehrer und Schüler, unterstützten sich gegenseitig und prägten einander künstlerisch. Entlassung, Vertreibung, Exil und schließlich Vernichtung bestimmten jedoch das Schicksal vieler von ihnen – mit nachhaltigen Folgen für die Rezeption und Überlieferung ihrer Werke.
Ein zentraler Ausgangspunkt des Konzertabends ist Viktor Ullmanns Sonate in b-Moll für Viertelton-Klarinette und Viertelton-Klavier op. 16 aus dem Jahr 1936, die er seinem Lehrer und „lieben Freund Alois Hába“ widmete. Obwohl Ullmann die von Hába entwickelte Vierteltontechnik nur in diesem Werk verwendete, nahm die Sonate eine besondere Stellung in seinem Schaffen ein. Die Klavierstimme gilt jedoch seit dem Zweiten Weltkrieg als verschollen – ein Verlust, der exemplarisch für die Zerstörung und Fragmentierung vieler Werke dieser Generation steht.
Aus diesem Verlust heraus entstand die Idee zu dem Konzert: Die Komponistin und Klarinettistin Dana Barak schuf die neue „Sonate für Klarinette und Klavier – In memoriam Viktor Ullmann“, in der sie Motive aus der einzig erhaltenen Klarinettenstimme von Ullmanns Sonate aufgreift. Ein Werk, das sich als künstlerische Auseinandersetzung mit dem überlieferten Material versteht ebenso wie mit dem Fehlen, dem Abbruch, dem Verlust. Ullmanns Leben und Werk waren dabei zentrale Inspirationsquelle.
»Viktor Ullmann ist einer der großen Komponisten des 20. Jahrhunderts – und noch immer viel zu wenig bekannt. Der Fund der nur in einem einzigen handschriftlich erhaltenen Exemplar der Klarinettenstimme seiner Sonate für Vierteltonklarinette und -Klavier war für mich ein zutiefst berührendes Erlebnis. Dieses Fragment steht für den gewaltsamen Verlust von Kunst und Leben. Das neue Werk von Dana Barak macht diesen Verlust hörbar und reflektiert ihn musikalisch.«Hansjacob Staemmler, Pianist, Mitinitiator des Konzertes und HfMDK Professor für Klavierkammermusik
Viktor Ullmann (1898–1944), Komponist, Pianist, Dirigent, Chorleiter und Musikkritiker, zählt zu den bedeutenden Vertretern der deutsch-jüdischen Prager Musikszene. Nach Studien bei Arnold Schönberg in Wien und einer Tätigkeit als Assistent von Alexander von Zemlinsky in Prag wurde er 1942 nach Theresienstadt deportiert. Dort entstand unter anderem seine Oper Der Kaiser von Atlantis. 1944 wurde Ullmann im Konzentrationslager Auschwitz ermordet.
Der Konzertabend versteht sich als musikalisches Gedenken und als lebendige Fortführung eines künstlerischen Dialogs, der durch Gewalt unterbrochen, aber nicht zum Schweigen gebracht wurde.

Trio Staemmler, Barak, Derserno
Trio Staemmler, Barak, Derserno
