In memoriam: Joachim Volkmann

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Ein hal­bes Jahr­hun­dert un­ter­rich­te­te Joa­chim Volk­mann an der Hoch­schu­le für Mu­sik und Dar­stel­len­de Kunst Frank­furt Kla­vier – von 1964 bis 1996 als Pro­fes­sor. Auch da­nach blieb er ein ge­frag­ter Päd­ago­ge und leg­te sei­ne Lehr­tä­tig­keit erst 19 Jah­re nach sei­ner Eme­ri­tie­rung im Jahr 2015 nie­der. Am 3. März ist Joa­chim Volk­mann im Al­ter von 92 Jah­ren in Kron­berg im Tau­nus ge­stor­ben.

Den ge­bür­ti­gen Ost­west­fa­len, ge­bo­ren 1931 in Os­na­brück, präg­ten sei­ne au­then­ti­sche Be­schei­den­heit und sei­ne al­lü­ren­freie Na­tür­lich­keit. Nie stell­te er sich selbst, son­dern im­mer die Sa­che, die Mu­sik, in den Mit­tel­punkt.

Da­bei war Volk­mann Päd­ago­ge aus Lei­den­schaft und Be­ru­fung und hat wäh­rend sei­ner lang­jäh­ri­gen Hoch­schul­zeit in Frank­furt vie­le er­folg­rei­che Pia­nis­tin­nen und Pia­nis­ten her­vor­ge­bracht, die so­wohl auf den in­ter­na­tio­na­len Kon­zert­po­di­en als auch als Hoch­schul­do­zen­ten wir­ken: Franz Vor­ra­ber, Wig­bert Trax­ler, Bern­hard Wetz, Chris­to­pher Park und sein letz­ter Ab­sol­vent Xi Zhai sind nur ei­ni­ge von Ih­nen.

Was ihm in sei­ner Lehr­tä­tig­keit im­mer be­son­ders wich­tig war: „den jun­gen Künst­lern die ernst­haf­te Aus­ein­an­der­set­zung mit dem No­ten­text bis zur kleins­ten Punk­tie­rung zu ver­mit­teln, eben pin­ge­lig zu sein. Erst dann kommt die In­ter­pre­ta­ti­on, aber eben nicht see­len­los, son­dern mit wa­chem Her­zen. Es muss wahr sein, was man spielt“, er­klär­te Volk­mann in ei­nem Ge­spräch im Jahr 2015.

Chris­to­pher Park, der heu­te welt­weit mit Di­ri­gen­ten wie Chris­toph Eschen­bach, Paa­vo Jär­vi und Juk­ka-Pek­ka Sa­ras­te ar­bei­tet so­wie re­gel­mä­ßig u.a. mit Klang­kör­pern wie den Wie­ner Sym­pho­ni­kern und den Bam­ber­ger Sym­pho­ni­kern kon­zer­tiert, freu­te sich noch lan­ge nach sei­nem Ab­schluss im­mer wie­der über eine Un­ter­richts­stun­de bei sei­nem ehe­ma­li­gen Leh­rer: „Ich habe Joa­chim Volk­mann wie ein ge­öff­ne­tes Fens­ter zum mu­si­ka­li­schen Kern­punkt er­lebt – gleich­zei­tig auch zu ei­ner ge­wis­sen Tra­di­ti­on, die für mich viel in­ter­es­san­ter und ehr­li­cher ist als vie­le heu­ti­ge Her­an­ge­hens­wei­sen. Es geht im­mer dar­um, jen­seits von Kitsch und Ober­fläch­lich­keit die na­tür­li­chen Gren­zen der In­ter­pre­ta­ti­on aus­zu­lo­ten“.

Das Ver­hält­nis des Pia­nis­ten Xi Zhai, der heu­te ne­ben sei­ner Kon­zert­tä­tig­keit auch an der HfMDK lehrt, zu sei­nem Leh­rer Joa­chim Volk­mann war bis zu­letzt ein ge­ra­de­zu fa­mi­liä­res. Volk­mann un­ter­stütz­te den jun­gen, chi­ne­sisch­stäm­mi­gen Mu­si­ker von An­fang an – in sei­ner mu­si­ka­li­schen Ent­wick­lung, aber auch in Din­gen des täg­li­chen Le­bens wie Be­hör­den­gän­ge. Bis zu­letzt be­such­te Xi Zhai sei­nen ver­ehr­ten Leh­rer und Men­tor und spiel­te ihm vor. Ein Kopf­ni­cken, eine Hand­be­we­gung, eine Kor­rek­tur – mehr brauch­te es nicht zwi­schen den bei­den, um sich zu ver­ste­hen.

Xi Zhai schwärmt von sei­nem Leh­rer, der von ei­ner mu­si­ka­li­schen Tra­di­ti­on ge­prägt war, in der die In­ter­pre­ta­ti­on als na­tür­li­cher, un­ge­küns­tel­ter Ges­tus zu be­grei­fen war: „Joa­chim Volk­mann hat mich ge­lehrt, beim Kla­vier­spiel auch den Mut zu ha­ben, sich ganz auf die Mu­sik, auf die Mu­sik­spra­che, die Idee des Kom­po­nis­ten zu kon­zen­trie­ren, da­bei nicht nur die No­ten, son­dern auch die See­le des Kom­po­nis­ten zu er­grün­den und zu spie­len. Es geht nicht dar­um, nur dem Pu­bli­kum ge­fal­len zu wol­len“.

Die jahr­zehn­te­lan­ge kon­se­quen­te Ar­beit Joa­chim Volk­manns bis ins hohe Al­ter wird in un­zäh­li­gen Künst­le­rin­nen und Künst­lern wei­ter­le­ben.

Die HfMDK trau­ert um ei­nen lie­bens­wer­ten und groß­ar­ti­gen ehe­ma­li­gen Leh­rer, Künst­ler und Kol­le­gen.

 

Ge­denk­kon­zert

Am Don­ners­tag, den 9. Mai um 16 Uhr wird im Gro­ßen Saal der HfMDK ein Kon­zert in Ge­den­ken an Joa­chim Volk­mann statt­fin­den. Das Pro­gramm wird zeit­nah im Ver­an­stal­tungs­ka­len­der der HfMDK zu fin­den sein:

Gedenkkonzert