Eugen Wangler in memoriam

Porträt am Flügel
(Photo: Björn Hadem)
pressemitteilung

Am 21. Mai 2026 ist Prof. Eu­gen Wang­ler, lang­jäh­ri­ger Pro­fes­sor für Kor­re­pe­ti­ti­on an der Hoch­schu­le für Mu­sik und Dar­stel­len­de Kunst Frank­furt (HfMDK), nach lan­ger Krank­heit im Al­ter von 77 Jah­ren in Frank­furt ver­stor­ben.
Mit gro­ßer Trau­er neh­men wir Ab­schied von ei­nem her­aus­ra­gen­den Mu­si­ker, Päd­ago­gen und Men­schen. Der Tod von Eu­gen Wang­ler hat uns tief er­schüt­tert.

Eu­gen Wang­ler präg­te Ge­nera­tio­nen von Stu­die­ren­den durch sei­ne au­ßer­ge­wöhn­li­che mu­si­ka­li­sche Per­sön­lich­keit und sei­ne un­ver­wech­sel­ba­re Art zu leh­ren. Sei­ne na­he­zu en­zy­klo­pä­di­sche Ver­traut­heit mit der Mu­sik­li­te­ra­tur ver­band sich mit der sel­te­nen Fä­hig­keit, mu­si­ka­li­sche Zu­sam­men­hän­ge le­ben­dig, an­schau­lich und un­mit­tel­bar er­fahr­bar zu ma­chen. Grund­la­ge sei­nes Un­ter­richts wa­ren höchs­te An­sprü­che an Sti­lis­tik und Auf­füh­rungs­pra­xis – ge­tra­gen von ei­nem jahr­zehn­te­lan­gen, in­ter­dis­zi­pli­nä­ren Nach­den­ken über Mu­sik, Li­te­ra­tur und Geis­tes­wis­sen­schaf­ten.

Mit gro­ßer Auf­merk­sam­keit, Ge­duld und fei­nem Hu­mor be­glei­te­te er Stu­die­ren­de eben­so wie Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen über vie­le Jah­re hin­weg. Sei­ne be­son­de­re Stär­ke lag in der per­sön­li­chen Be­geg­nung: mensch­lich zu­ge­wandt, in­spi­rie­rend und von gro­ßer Herz­lich­keit ge­prägt. Wer Eu­gen Wang­ler be­geg­ne­te, er­in­nert sich an sei­ne Be­schei­den­heit, sei­ne Klug­heit und sei­ne be­son­de­re Gabe, Men­schen zu­sam­men­zu­brin­gen und für Mu­sik zu be­geis­tern. Für vie­le war er über Jahr­zehn­te hin­weg eine der prä­gen­den Per­sön­lich­kei­ten der Hoch­schu­le – künst­le­risch wie mensch­lich. Zahl­rei­che Mu­si­ke­rin­nen und Mu­si­ker be­trach­ten die Be­geg­nung mit ihm bis heu­te als ei­nen der kost­bars­ten Ge­win­ne ih­rer Stu­di­en­zeit.

Der Prä­si­dent der Hoch­schu­le, Prof. El­mar Ful­da, er­in­nert mit gro­ßer Wert­schät­zung an ihn:

»Eugen Wangler war ein Urgestein der HfMDK. Hochkompetent, engagiert und mit einem besonderen Witz begabt, nahm er die große Literatur von Lied und Oper, die er traumwandlerisch sicher jederzeit auf dem Klavier hervorzaubern konnte, stets ernst – und fügte ihr doch immer einen Funken Schalk hinzu, der selbst in größter Dramatik das Menschliche aufblitzen ließ. Eugen Wangler war ein leidenschaftlicher Lehrer, ein begnadeter Unterhalter und ein großer Menschenfreund. Nun nehmen wir Abschied. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie.«HfMDK-Präsident Prof. Elmar Fulda

Mit Eu­gen Wang­ler ver­liert die Hoch­schu­le ei­nen hoch­ge­schätz­ten Kol­le­gen und au­ßer­ge­wöhn­li­chen Päd­ago­gen, der das Le­ben vie­ler Men­schen nach­hal­tig be­rei­chert hat. Wir wer­den ihn in dank­ba­rer Er­in­ne­rung be­hal­ten.

Die Bei­set­zung wird Mit­te Juni auf dem Haupt­fried­hof statt­fin­den.

Den kon­kre­ten Ter­min wer­den wir haus­in­tern kom­mu­ni­zie­ren. Alle die sich per­sön­lich von Eu­gen Wang­ler ver­ab­schie­den möch­ten, sind herz­lich will­kom­men.

Eu­gen Wang­ler

Eu­gen Wang­ler wur­de 1948 in der So­wjet­uni­on ge­bo­ren und er­hielt be­reits im Al­ter von drei Jah­ren sei­nen ers­ten Kla­vier­un­ter­richt. Der aus­ge­bil­de­te Kon­zert­pia­nist und Or­ga­nist kam 1981 nach Leip­zig, wo er an der Hoch­schu­le für Mu­sik und Thea­ter „Fe­lix Men­dels­sohn Bar­thol­dy“ zu­nächst ei­nen Lehr­auf­trag für Kor­re­pe­ti­ti­on über­nahm und spä­ter zum Ober­as­sis­ten­ten be­ru­fen wur­de.

Schon früh mach­te er sich in der Leip­zi­ger Mu­sik­sze­ne ei­nen Na­men. Fünf Jah­re lang ar­bei­te­te er an der Leip­zi­ger Oper als Kor­re­pe­ti­tor und be­ein­druck­te mit ei­nem Kla­vier­spiel, dem Ken­ner den Farb­reich­tum ei­nes gan­zen Or­ches­ters zu­schrie­ben. Par­al­lel dazu war er im Ge­wand­haus Leip­zig ge­frag­ter Kla­vier­part­ner zahl­rei­cher So­lis­ten und wid­me­te sich in­ten­siv der Leh­re. Da­bei trat im­mer deut­li­cher jene be­son­de­re Be­ga­bung her­vor, die ihn be­reits zu­vor aus­ge­zeich­net hat­te: Mu­sik nicht nur zu in­ter­pre­tie­ren, son­dern sie ver­ständ­lich zu ma­chen, zu ana­ly­sie­ren und le­ben­dig zu ver­mit­teln. Schon in frü­he­ren Jah­ren hat­te er in ei­nem Kom­po­nis­ten­ver­band Wer­ke sei­ner Zeit­ge­nos­sen vom Kla­vier aus er­läu­tert und in­ter­pre­tiert.

1988 wech­sel­te Eu­gen Wang­ler an die Hoch­schu­le für Mu­sik und Dar­stel­len­de Kunst Frank­furt. Hier über­nahm er ei­nen Lehr­auf­trag für Kor­re­pe­ti­ti­on in der da­ma­li­gen Opern­ab­tei­lung – par­al­lel zu sei­ner Tä­tig­keit als Kor­re­pe­ti­tor in Nürn­berg. 1991 wur­de er schließ­lich zum Pro­fes­sor für Kor­re­pe­ti­ti­on be­ru­fen.

Be­son­ders prä­gend wur­de sein En­ga­ge­ment in der Aus­bil­dung jun­ger Mu­si­ke­rin­nen und Mu­si­ker. Mit dem „Mas­ter So­lo­re­pe­ti­ti­on“ in­iti­ier­te Eu­gen Wang­ler 2001 den ers­ten Mas­ter­stu­di­en­gang über­haupt an der HfMDK. Pra­xis­nah und pass­ge­nau auf die An­for­de­run­gen des Be­rufs zu­ge­schnit­ten, ent­wi­ckel­te er den Stu­di­en­gang mit gro­ßem per­sön­li­chem Ein­satz wei­ter, bis er 2005 of­fi­zi­ell durch den Se­nat der Hoch­schu­le be­schlos­sen wur­de. Nicht nur an­ge­hen­de Thea­ter-Kor­re­pe­ti­to­ren pro­fi­tier­ten von sei­ner Ar­beit: Auch Stu­die­ren­de des so­lis­ti­schen Kla­vier­stu­di­ums er­leb­ten Kor­re­pe­ti­ti­on und Lied­ge­stal­tung bei ihm als in­spi­rie­ren­des Zu­satz­fach, das neue be­ruf­li­che Per­spek­ti­ven er­öff­ne­te.

Dar­über hin­aus galt Eu­gen Wang­ler als aus­ge­wie­se­ner Ex­per­te für Stimm­fä­cher und als en­ga­gier­ter För­de­rer zahl­rei­cher jun­ger Ta­len­te, die er ent­deck­te, be­glei­te­te und un­ter­stütz­te. 2014 wur­de er eme­ri­tiert, blieb der HfMDK je­doch noch meh­re­re Jah­re mit ei­nem Lehr­auf­trag ver­bun­den. Bis zu­letzt war er für vie­le Künst­le­rin­nen und Künst­ler ein ge­schätz­ter An­sprech­part­ner, Men­tor und Ver­mitt­ler – weit über sei­ne Eme­ri­tie­rung hin­aus.

Porträt am Flügel

Prof. Eugen Wangler

Pres­se­kon­takt