Christoph Spendel in memoriam

Portrait
Christoph Spendel(Photo: Tamara Spendel)
pressemitteilung

Am 7. No­vem­ber ist Chris­toph Spen­del ganz plötz­lich wäh­rend ei­nes Kon­zerts ver­stor­ben. Er un­ter­rich­te­te von 2001 bis 2021 als Pro­fes­sor für Jazz­kla­vier an der Hoch­schu­le für Mu­sik und Dar­stel­len­de Kunst Frank­furt (HfMDK) und da­vor be­reits 10 Jah­re als Lehr­be­auf­trag­ter. „Ich wer­de wei­ter­hin Kon­zer­te ge­ben. Nach fast 30 Jah­ren Dienst geht ein Ka­pi­tel für mich zu Ende und ein neu­es be­ginnt“, ver­riet er an­läss­lich sei­nes Ab­schieds­kon­zer­tes, be­vor er nach den knapp drei Jahr­zehn­ten Leh­re an der HfMDK in den Ru­he­stand ging. Alle, die Chris­toph Spen­del kann­ten, hät­ten ihm ein weit­aus län­ge­res neu­es Ka­pi­tel ge­wünscht.
 
Chris­toph Spen­del hat gan­ze Ge­nera­tio­nen von Stu­die­ren­den be­glei­tet. Da­ne­ben hat­te er den da­ma­li­gen Auf­bau­stu­di­en­gang und spä­te­ren Wei­ter­bil­dungs­stu­di­en­gang Jazz- und Po­pu­lar­mu­sik in­halt­lich ge­prägt.
„Prof. Spen­del hat Stu­die­ren­de stark ge­macht, bot ih­nen eine Platt­form für ihre ganz un­ter­schied­li­chen künst­le­ri­schen Ak­ti­vi­tä­ten. Der jähe Tod von Chris­toph Spen­del macht uns zu­tiefst be­trof­fen. Un­se­re Ge­dan­ken sind bei sei­ner Fa­mi­lie“, sagt Hoch­schul­prä­si­dent Prof. El­mar Ful­da.

Chris­toph Spen­del

Mu­sik war ihm in die Wie­ge ge­legt: die Mut­ter Kla­vier­leh­re­rin, mit fünf ers­ter Un­ter­richt. Der On­kel, Gei­ger im Or­ches­ter, spiel­te dem jun­gen Chris­toph Spen­del ei­nes Ta­ges eine der da­mals hip­pen Play-Bach- Plat­ten von Jac­ques Lous­sier vor. Spen­del war be­geis­tert: Mo­to­rik, Swing, Im­pro­vi­sa­ti­on – es galt eine Welt jen­seits der klas­si­schen Mu­sik zu ent­de­cken. 
 
Zum Jazz fand Chris­toph Spen­del dann aber, wie vie­le, über Pop und Rock. San­ta­na öff­ne­te ihm ein Fens­ter zur La­tin­mu­sik, der er sich spä­ter aus­gie­big wid­me­te. Die 70er Jah­re wa­ren für ihn eine Of­fen­ba­rung: das Jahr­zehnt des Jazz­rock und Ro­ck­jazz, des Amal­ga­mie­rens von Klas­sik-, Rock- und Jazz­ele­men­ten, avan­cier­te Form­dra­ma­tur­gie statt simp­ler Songs, ex­ten­si­ver und ex­zes­si­ver Ein­be­zug von Im­pro­vi­sa­ti­on; an­dau­ernd und über­all gab es Neu­es zu ent­de­cken – u.a. bei den da­mals füh­ren­den Jaz­zern, an­ge­führt von Mi­les Da­vis, im Ge­fol­ge Tas­ten­he­ro­en wie Joe Za­win­ul (Wea­ther Re­port), Chick Corea (Re­turn to Fo­re­ver) und na­tür­lich Her­bie Han­cock mit sei­nen Funk-Feu­er­wer­ken. 
 
Sei­ne Aus­bil­dung star­te­te der 1955 in Po­len ge­bo­re­ne Chris­toph Spen­del als Jung­stu­dent am da­ma­li­gen Folk­wang-Kon­ser­va­to­ri­um in Es­sen. Mit 18 nahm er ein Kla­vier­stu­di­um am Ro­bert-Schu­mann-In­sti­tut Düs­sel­dorf auf, das er zu­guns­ten sei­ner Kon­zert­tä­tig­keit vor­zei­tig be­en­de­te. Fort­an war er na­he­zu non­stop auf Tour: 1975 bis 1980 mit der Grup­pe Jazz­track, zwi­schen­durch mit So­lo­pro­gram­men, ab 1980 im Duo mit dem Vi­bra­fo­nis­ten Wolf­gang Schlü­ter und da­nach mit ei­ge­nen Bands. Sei­ner ers­ten So­lo­plat­te 1977 folg­ten über 50 wei­te­re Pro­duk­tio­nen als Lea­der und hun­der­te als Si­de­man an Keys oder Kla­vier. 
 
Die Be­geg­nung mit Mi­cha­el Sag­meis­ter, 1978 im Frank­fur­ter Jazz­kel­ler, war der Be­ginn ei­ner bis zum Schluss wäh­ren­den Zu­sam­men­ar­beit und Freund­schaft. Auch päd­ago­gisch wa­ren die bei­den ein Ge­spann: Durch Sag­meis­ter, der be­reits an der HfMDK un­ter­rich­te­te, fand 1991 auch Spen­del den Weg in die Eschers­hei­mer Land­stra­ße, zu­nächst im Lehr­auf­trag und ab 2001 schließ­lich als Pro­fes­sor für Jazz­kla­vier.
 
Die HfMDK trau­ert um ei­nen über­aus vi­ta­len Künst­ler und ei­nen ehe­ma­li­gen en­ga­gier­ten Hoch­schul­leh­rer und Kol­le­gen.

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