Mit Musikunterricht aufs Leben vorbereiten: Das Carls Stipendium an der HfMDK

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Die Carls Stif­tung hat ei­nes ih­rer fünf Ar­beits­sti­pen­di­en im HfMDK-Som­mer­se­mes­ter 2026 an Han­nah Heit­käm­per ver­ge­ben. Ge­för­dert wur­de ein mu­sik­päd­ago­gi­sches Pro­jekt, das die Lehr­amts­stu­den­tin im Fach Vio­lon­cel­lo im Rah­men ih­rer wis­sen­schaft­li­chen Haus­ar­beit ent­wi­ckel­te und vom 13. Au­gust bis zum 3. Sep­tem­ber 2026 mit Ober­stu­fen-Schü­ler*in­nen an der Frank­fur­ter Bet­tina­schu­le durch­führ­te.

Hannah Heitkämper
Die Lehramtsstudentin Hannah Heitkämper freut sich über die Förderung.(Photo: Carina Rausch)

Die ei­ge­ne Prä­senz wahr­neh­men – re­flek­tie­ren – wei­ter­ent­wi­ckeln

Im Zen­trum des Pro­jekts stand die Fra­ge, wie Mu­sik­un­ter­richt die Prä­senz von Schü­ler*in­nen för­dern und da­mit zu ei­nem re­flek­tier­ten Um­gang mit Au­to­ri­tät bei­tra­gen kann. Aus­gangs­punkt war die Be­ob­ach­tung, dass Vor­stel­lun­gen von Au­to­ri­tät durch ge­sell­schaft­li­che und ge­schlechts­spe­zi­fi­sche So­zia­li­sa­ti­ons­pro­zes­se ge­prägt sind. Dies zeigt sich auch im Mu­sik­le­ben: Lei­ten­de Po­si­tio­nen, ins­be­son­de­re am Di­ri­gier­pult, wa­ren his­to­risch über­wie­gend männ­lich be­setzt. Be­stimm­te For­men des Auf­tre­tens wer­den des­halb bis heu­te häu­fig un­be­wusst mit Au­to­ri­tät ver­bun­den.

Ge­mein­sam mit neun Schü­ler*in­nen un­ter­such­te Han­nah Heit­käm­per zu­nächst die Be­grif­fe „Au­to­ri­tät“ und „au­to­ri­tär“. Die Grup­pe setz­te sich mit his­to­ri­schen Vor­stel­lun­gen von Di­ri­gier­au­to­ri­tät aus­ein­an­der und ent­wi­ckel­te Kri­te­ri­en für ein über­zeu­gen­des und prä­sen­tes Auf­tre­ten. Dazu zähl­ten un­ter an­de­rem Kör­per­hal­tung, Blick­kon­takt, Ges­tik und Stim­me.

In prak­ti­schen Übun­gen wur­de er­probt, wie Gang­tem­po, Schritt­län­ge, Ziel­ge­rich­tet­heit und Kör­per­hal­tung die Wir­kung ei­ner Per­son ver­än­dern. Wei­te­re Auf­ga­ben wid­me­ten sich der Stim­me, der Kör­per­spra­che und un­ter­schied­li­chen emo­tio­na­len Aus­drucks­for­men. In Klein­grup­pen und spä­ter vor dem ge­sam­ten Ple­num hiel­ten die Teil­neh­men­den kur­ze Prä­sen­ta­tio­nen und ga­ben ein­an­der struk­tu­rier­tes Feed­back. Da­bei zeig­te sich, dass be­reits klei­ne Ver­än­de­run­gen – etwa eine be­wuss­te Ges­tik oder das Sen­ken der Stim­me am Satz­en­de – die Wahr­neh­mung deut­lich be­ein­flus­sen kön­nen.

Zum Ab­schluss wur­den die ge­sam­mel­ten Er­fah­run­gen auf eine mu­si­ka­li­sche Lei­tungs­si­tua­ti­on über­tra­gen. Die Schü­ler*in­nen üb­ten Body-Per­cus­sion-Pat­terns ein und lei­te­ten die­se an­schlie­ßend vor der Grup­pe an. Da­bei ging es nicht um pro­fes­sio­nel­le Di­ri­gier­tech­nik, son­dern dar­um, die er­ar­bei­te­ten Aspek­te von Prä­senz prak­tisch an­zu­wen­den. Eine Schü­le­rin ent­wi­ckel­te dar­aus so­gar ei­gen­stän­dig eine klei­ne Pro­be mit dy­na­mi­schen An­wei­sun­gen.

Schu­le als Ort des Wach­sens und der Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung

Die Rück­mel­dun­gen der Ju­gend­li­chen be­stä­tig­ten den Er­folg des Pro­jekts. Be­son­ders die Un­ter­schei­dung zwi­schen Au­to­ri­tät und au­to­ri­tä­rem Ver­hal­ten blieb vie­len in Er­in­ne­rung. Mit ih­rem Pro­jekt hat Han­nah Heit­käm­per ge­zeigt, wie Mu­sik­un­ter­richt Räu­me schaf­fen kann, in de­nen jun­ge Men­schen Selbst­ver­trau­en, Re­fle­xi­ons­fä­hig­keit und eine in­di­vi­du­el­le, von Ge­schlech­ter­ste­reo­ty­pen un­ab­hän­gi­ge Prä­senz ent­wi­ckeln.

»Meine Beschäftigung mit dem eigenen Auftreten hat mir eine neue Perspektive eröffnet. Für die Vorbereitung auf mein späteres Leben ist das ein großer Gewinn. «Teilnehmende Schülerin der Bettinaschule

Das Carls Sti­pen­di­um

Mit ei­nem pä­d­ago­gi­schen Kon­zept für ein mu­si­ka­li­sches Pro­jekt in ei­ner Schu­le ha­ben sich Lehr­amts­stu­die­ren­de so­wie Stu­die­ren­de des Mas­ter Mu­sik­päd­ago­gik der HfMDK um ins­ge­samt fünf Ar­beits­sti­pen­di­en der Carls Stif­tung be­wor­ben.

Die­ Pro­jekte kön­nen in Schul­klas­sen oder in schu­li­schen Ar­beits­ge­mein­schaf­ten (z.B. Chor, In­stru­men­tal­grup­pen) durch­ge­führt wer­den. In­halt­lich sol­len sie an eine ak­tu­el­le oder be­reits ab­sol­vier­te künst­le­ri­sche, mu­sik­di­dak­ti­sche oder mu­sik­päd­ago­gi­sche Lehr­ver­an­stal­tung an der HfMDK an­ge­bun­den sein oder kön­nen im Rah­men ei­ner wis­sen­schaft­li­chen Haus­ar­beit statt­fin­den. Je­des der fünf Sti­pen­dien ist mit 5.000 Euro do­tiert und hat eine Lauf­zeit von bis zu ei­nem Jahr.

Für die Stu­die­ren­den ist das Carls Sti­pen­di­um ein wich­ti­ger Schritt in Rich­tung Be­rufs­rea­li­tät

Die an­ge­hen­den Päd­agog*in­nen pla­nen ein Pro­jekt von der ers­ten Idee über die Or­ga­ni­sa­ti­on bis hin zur Durch­füh­rung, schrei­ben Kon­zep­te, kom­mu­ni­zie­ren mit Schu­len, ko­or­di­nie­ren Un­ter­rich­te bzw. Pro­ben und re­flek­tie­ren an­schlie­ßend die Er­geb­nis­se. Da­mit sam­meln sie Er­fah­run­gen, die im spä­te­ren Lehr­be­ruf oder in der mu­sik­päd­ago­gi­schen Ar­beit un­ver­zicht­bar sind – und kön­nen zu­gleich ihr ei­ge­nes Pro­fil als künst­le­risch-päd­ago­gi­sche Per­sön­lich­keit schär­fen.

Ein herz­li­cher Dank gilt der Carls Stif­tung für die groß­zü­gi­ge Un­ter­stüt­zung un­se­rer Stu­die­ren­den!

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