Neue Mu­sik Nacht Kino: „13 Lakes“

Natur und Kunst in zwei Filmen von James Benning

HfMDK, Seminarraum A 204Eschersheimer Landstraße 29,60322 Frankfurt am Main Auf Karte anzeigen
Neue Musik Nacht: Gesamtprogramm

Ja­mes Ben­ning (*1942): „Ten Ski­es“ (2004) (1h 41) / „13 Lakes“ (2004) (2h 13)

Die Fil­me lau­fen nach­ein­an­der und wer­den wie­der­holt – die An­fangs­zei­ten kön­nen sich um ei­ni­ge Mi­nu­ten ver­schie­ben.

© Ja­mes Ben­ning
cour­te­sy the ar­tist and neu­ger­riem­schnei­der, Ber­lin

In ei­ner Ab­fol­ge von zehn­mi­nü­ti­gen Ein­stel­lun­gen fängt Ja­mes Ben­nings Film „13 Lakes“ (2004) weit­läu­fi­ge Was­ser­land­schaf­ten aus den ge­sam­ten Ver­ei­nig­ten Staa­ten ein und lädt zu ei­ner nach­denk­li­chen Be­trach­tung der Na­tur, der sie prä­gen­den Ge­schich­te und un­se­rer Rol­le in ih­rer Er­zäh­lung ein. In Ben­nings Sze­nen sind Seen zu se­hen, die je­weils vom un­te­ren Rand des Bil­des bis zur ex­ak­ten Bild­mit­te rei­chen, wäh­rend sich ihre Ober­flä­chen kräu­seln und wel­len, wo­gen und ver­schie­ben. Al­gen­be­wuchs, Eis­schol­len oder Re­fle­xio­nen be­we­gen sich im Ein­klang, ihr Auf­stei­gen, sanf­te Wel­len und das Fal­len auf die Was­ser­ober­flä­che wir­ken in hyp­no­ti­scher Wie­der­ho­lung. Die Be­we­gung der Bil­der, wenn auch oft mi­ni­mal, spie­gelt auf prä­gnan­te und sub­ti­le Wei­se die Ge­sell­schaft wi­der, die di­rekt hin­ter ih­ren Gren­zen exis­tiert: Or­ga­ni­sche Ruhe – Son­nen­auf­gän­ge, Son­nen­un­ter­gän­ge, hoch­flie­gen­de Vö­gel, sanf­tes Plät­schern an See­ufern – wird durch deut­lich mensch­li­che Ein­grif­fe un­ter­bro­chen, wo­bei Frei­zeit­was­ser­fahr­zeu­ge, ein Con­tai­ner­schiff und ein Damm Sys­te­me des Ka­pi­tals be­le­gen, die sich auf den ers­ten Blick Ben­nings Lin­se ent­zie­hen.

Aus der Na­tur her­aus­ge­löst und da­mit aus ei­ner Um­ge­bung, in der Auf­merk­sam­keit ein kost­ba­res, heiß be­gehr­tes Gut ist, wer­den sei­ne 13 Akte ei­ner neu­en Rei­he von Re­geln und Er­war­tun­gen un­ter­wor­fen. In den ab­ge­dun­kel­ten Raum ei­ner Aus­stel­lung oder ei­nes Ki­nos ge­bracht, lässt der Druck von au­ßen nach und der Fo­kus wird zu ei­ner be­wusst ak­zep­tier­ten Auf­ga­be, statt zu ei­ner auf­ge­zwun­ge­nen For­de­rung. Als Film „über die An­ti­the­se des Krie­ges, die Art von Schön­heit, die wir zer­stö­ren“, so Ben­ning, ist „13 Lakes“ zu­gleich poe­tisch und do­ku­men­ta­risch und be­trach­tet die Land­schaft aus der Per­spek­ti­ve der Dar­stel­lung, un­ge­schnit­ten (ab­ge­se­hen von den Über­gän­gen zwi­schen den ein­zel­nen Ab­schnit­ten) und aus ei­ner ganz ei­ge­nen Per­spek­ti­ve.

TEXT: DYL­AN LUSTRIN

Neue Musik Nacht Kino – komplett

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