„Le Con­cert Cham­pêt­re“ – Neue Mu­sik mit der Ab­tei­lung für His­to­ri­sche In­ter­pre­ta­ti­ons­pra­xis HIP

Mitglieder der Historischen Interpretationspraxis HIP spielen Zeitgenössisches.

HfMDK, Kleiner SaalEschersheimer Landstraße 29,60322 Frankfurt am Main Auf Karte anzeigen
Neue Musik Nacht: Gesamtprogramm

Frank Ags­te­rib­be (*1968): „Ele­gy for the Drow­ned Land of Sa­ef­ting­he“ (2017/2019) | „The Drow­ned Land“ (2019) (13')
Jia­qi Chen, Ham­mer­kla­vier

Kai­ja Saa­ria­ho (1952-2023): „Jar­din Se­cret II“ (1984/1986) for Harp­si­chord and tape (11‘)
Haeun Cho, Cem­ba­lo

Isang Yun (1917-1995): Chi­ne­si­sche Bil­der – III. „Der Af­fen­spie­ler“ (1993) (4'26 )
Pau­la Klöp­fel, Block­flö­te

Chris­to­pher Brandt (*1969): „Tan­gen­ten“ für das Cla­vichord (6-7‘)
- No. 11 „Die Mü­cke und der Stern“
- No. 37 „Hier san­gen frü­her Vö­gel“
- No 48 „Der letz­te Bal­lon“
Eva Ma­ria Pol­le­rus, Cla­vichord

Lou­is An­dries­sen (1939-2021): „Ende“ (1981)
Va­len­tin Pol­le­rus, Block­flö­te
 

Le Con­cert Cham­pêt­re

In die­sem Pro­gramm wol­len wir „Na­tur im Rah­men“ be­trach­ten und da­mit dem Zu­sam­men­hang von Na­tur ei­ner­seits, Bil­dern, die wir (uns) von ihr ma­chen, und Mu­sik an­de­rer­seits nach­ge­hen.

Die his­to­ri­schen d.h. ba­ro­cken und klas­sisch/ro­man­ti­schen In­stru­men­te sind seit je­her, also auch als sie ganz neu wa­ren, in ge­wis­ser Wei­se ver­bun­den mit dem Rück­blick auf eine Na­tur und eine Na­tür­lich­keit, die es so sehr wahr­schein­lich nie gab. Die Wie­der­be­le­bung ei­ner idea­li­sier­ten An­ti­ke, die Fan­ta­si­en von ei­nem ir­di­schen Ar­ka­di­en, der Auf­ruf „zu­rück zur Na­tur!“, all dies ist eng ver­bun­den mit der Mu­sik und den In­stru­men­ten der Re­nais­sance, des Ba­rocks und der Früh­klas­sik. Mög­li­cher­wei­se ist dies ein Grund da­für zu­sam­men, dass für vie­le zeit­ge­nös­si­schen Kom­po­nis­ten das Kom­po­nie­ren für his­to­ri­sche In­stru­men­te eben­falls häu­fig mit der Sehn­sucht nach Na­tur oder viel­mehr ei­nem häu­fig my­thi­schen und uto­pi­schen Zu­stand der Na­tür­lich­keit ver­bun­den ist. Nicht zu­fäl­lig trägt ei­nes der der ers­ten „mo­der­nen“ Kon­zer­te für das wie­der­ent­deck­te In­stru­ment Cem­ba­lo und Or­ches­ter aus dem 20. Jahr­hun­dert den Ti­tel „Con­cert Cham­pêt­re“ (Fran­cis Pou­lenc, 1928). In­spi­riert ist es von den gleich­na­mi­gen Ge­mäl­den von Ti­zi­an (ca. 1509) und wahr­schein­lich auch Co­rot (1857), auf de­nen Men­schen in ei­ner my­tho­lo­gisch an­mu­ten­den Sze­ne­rie auf Wald­lich­tun­gen selbst­ver­ges­sen mu­si­zie­ren.

Da­bei ent­ste­hen in der mu­si­ka­li­schen Aus­ein­an­der­set­zung mit Er­schei­nun­gen der be­leb­ten und un­be­leb­ten Na­tur, Bil­der und Mo­ment­auf­nah­men, wel­che die Vor­stel­lun­gen und Ei­gen­hei­ten der be­trach­ten­den Men­schen min­des­tens eben­so wi­der­spie­geln wie die Na­tur­er­schei­nun­gen selbst. Be­son­ders deut­lich wird dies auch in der pri­va­ten Mi­nia­tur­aus­ga­be der hin­ter ei­nen Zaun ge­sperr­ten Na­tur – dem Gar­ten.

An­hand von den „Chi­ne­si­schen Bil­dern“ von Isang Yun (Der Be­su­cher der Idyl­le, Ere­mit  am Was­ser, Af­fen­spie­ler), „Ende“ (wo wir mit An­dre­as­sen bei ei­ner Zug­fahrt aus dem Fens­ter schau­en), oder dem ir­gend­wo zwi­schen „Pa­ra­dies­gärt­lein“ und „Gar­ten der Lüs­te“ an­ge­sie­del­ten „ Jar­din Se­cret II“ (K. Saa­ria­ho), wei­te­ren Wer­ke von Chris­to­pher Brandt und Alex­an­der Reiff, be­trach­ten wir die Na­tur ge­wis­ser­ma­ßen im Rah­men (Bil­der­rah­men, Fens­ter­rah­men, hin­term Zaun, in for­ma­len Rah­men ge­presst) – und se­hen so ge­wis­ser­ma­ßen uns selbst im Spie­gel.

TEXT: EVA MA­RIA POL­LE­RUS / JAN VAN HOECKE

»Wie beeinflussen unsere Sinne unsere Beziehung zur Umwelt? Das Werk spielt mit der Frage, wie wir unsere Umgebung fühlen und hören, hinterfragt und erweitert unsere Wahrnehmung der Umwelt. Das Publikum wird eingeladen, die Welt um sich herum neu zu hören und zu erleben.«Léa Villeneuve über „Dein Ohr hört nicht allein“ von Alexander Reiff

Alex­an­der Reiff (*1991) ist Kom­po­nist, Schlag­zeu­ger und Mu­sik­leh­rer, spe­zia­li­siert auf Neue Mu­sik, Elek­tro­ni­sche Mu­sik, Klang­kunst so­wie in­ter­me­dia­le und gen­re­über­grei­fen­de Pro­jek­te. In Zu­sam­men­ar­beit mit dem en­sem­ble in tran­si­ti­on kom­po­niert Reiff Mu­sik so­wohl für tau­be als auch für hö­ren­de Kon­zert­be­su­cher. Sei­ne Wer­ke zeich­nen sich durch in­ter­kul­tu­rel­le, ge­sell­schafts­kri­ti­sche und na­tur­wis­sen­schaft­li­che An­sät­ze aus und wer­den von Ein­flüs­sen aus Jazz, Hip-Hop und in­ter­na­tio­na­ler Folk­lo­re ge­prägt.

Er stu­dier­te Kom­po­si­ti­on bei Orm Fin­nen­dahl, Oli­ver Kor­te, Ro­bin Hoff­mann und Mi­cha­el Reu­den­bach und nahm an Mas­ter­clas­ses u.a. mit Si­mon Ste­en-An­der­sen, Jen­ni­fer Walshe, Bri­an Fer­ney­hough und Mark And­re teil.

Mit um­fang­rei­cher Er­fah­rung in En­sem­ble-, Or­ches­ter- und Thea­ter­pro­jek­ten so­wie im Be­reich In­stru­men­tal­thea­ter in­ter­es­siert sich Reiff be­son­ders für in­no­va­ti­ve und in­ter­dis­zi­pli­nä­re Kunst­for­men. Sei­ne Ar­bei­ten er­kun­den die Gren­zen von Hör- und Seh­erfah­run­gen und schaf­fen Raum für hu­mor­vol­le und ab­sur­de Ele­men­te, die eine neue Wahr­neh­mung der Rea­li­tät an­re­gen.

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