„At­las Ec­lip­ti­ca­lis“ mit dem IEMA-En­sem­ble

Ausschnitt einer sehr künstlich aussehenden Erdbeere, die noch etwas unreif zu sein scheint.
(Foto: Lisa Mahlberg)

John Cage: „Atlas Eclipticalis“ (1961/62)
John Cage: „Winter Music“ (1957)
Eine Konzertinstallation von Hermann Kretzschmar (2023-25)

IEMA-Ensemble 2024/25
Gabriele Mastrototaro, Flöte | Patrícia Pinheiro, Oboe | Tomás Jesús Ocaña-González, Klarinette | Jiyoon Hyun, Sampler | Leh-Qiao Liao, Klavier | Yuheng Chen, Klavier | Ling Zhang, Schlagzeug | Sarah Beth Overcash, Violine | Leonard Melcher, Violine | Albert Kuchinski, Violoncello | Begüm Aslan, Kontrabass

Yannick Mayaud, Dirigent
Volker Bernhart, Sounddesign

Hermann Kretzschmar, Einrichtung, Bearbeitung und Sampler

HfMDK, Großer SaalEschersheimer Landstraße 29,60322 Frankfurt am Main Auf Karte anzeigen
Neue Musik Nacht: Gesamtprogramm

1958 ver­öf­fent­lich­te der tsche­chi­sche As­tro­nom An­tonín Bečvář den „At­las ec­lip­ti­ca­lis“, ein groß­for­ma­ti­ges Buch mit Zeich­nun­gen des Ster­nen­him­mels. Ei­ni­ge Jah­re spä­ter pro­ji­zier­te John Cage die­sen be­rühm­ten Ster­nen­at­las auf No­ten­pa­pier und über­trug so die Po­si­tio­nen der Him­mels­kör­per in mu­si­ka­li­sche Pro­zes­se. Da­bei ließ Cage die meis­ten kom­po­si­to­ri­schen Pa­ra­me­ter wei­test­ge­hend un­be­stimmt, so­dass den In­ter­pret*in­nen ein ho­hes Maß an ei­gen­ver­ant­wort­li­cher Ge­stal­tung und krea­ti­ven Frei­räu­me zu­kommt. Wäh­rend die Ton­hö­hen klar mar­kiert sind, bleibt die Wahl der No­ten­schlüs­sel frei. Tem­po, Me­trum, Dau­er und rhyth­mi­sche Struk­tur sind gar nicht oder nur ru­di­men­tär an­ge­ge­ben. Le­dig­lich die Laut­stär­ke­ver­hält­nis­se wer­den durch die Di­cke der Ton­köp­fe im No­ten­bild vi­sua­li­siert – ana­log zur Leucht­kraft der Ster­ne.

Die zeit­li­che Ko­or­di­na­ti­on des Stim­men­ge­fü­ges liegt (bei grö­ße­rer Stim­men­zahl) beim Di­ri­gen­ten, der die Kreis­be­we­gung ei­ner Uhr si­mu­liert und da­bei eine Zeit­stre­cke von zwei Mi­nu­ten für je­des Sys­tem an­zeigt, die er wie­der­um in 30 Se­kun­den­ab­schnit­te ein­teilt.

In­ner­halb die­ser Zeit­fens­ter müs­sen be­stimm­te Klang­mo­du­le rea­li­siert wer­den. Cage ent­wi­ckel­te so 86 in­di­vi­du­el­le In­stru­men­tal­stim­men aus, die fle­xi­bel, so­lis­tisch oder in be­stimm­ten Klang­grup­pen kom­bi­nier­bar sind. 2023 er­ar­bei­te­te En­sem­ble Mo­dern-Mit­glied Her­mann Kretz­sch­mar eine Be­ar­bei­tung von „At­las Ec­lip­ti­ca­lis“ als Kon­zert­in­stal­la­ti­on. Dazu spiel­te das En­sem­ble Mo­dern un­ter­schied­li­che Ver­sio­nen und In­stru­men­ten­kom­bi­na­tio­nen ein, die bei ei­ner Auf­füh­rung via Sam­pling live ab­ge­mischt und in der heu­ti­gen Fas­sung mit den Live-Klän­gen des IEMA-En­sem­ble kom­bi­niert wer­den. In die In­stal­la­ti­on ein­ge­bun­den ist zu­dem die Auf­füh­rung von John Ca­ges ganz ähn­lich kon­zi­pier­ter „Win­ter Mu­sic“ (1957). Sie be­steht aus 20 Sei­ten, die von ei­ner be­lie­bi­gen An­zahl von Pia­nist*in­nen – von 1 bis 20 – ge­spielt wer­den kön­nen. Für eine Auf­füh­rung kön­nen be­lie­big vie­le Sei­ten in be­lie­bi­ger Rei­hen­fol­ge ver­wen­det wer­den.

Überblick & Tickets