Abschiedsvorlesung von Prof. Dr. Maria Spychiger
„By aesthetic, I mean responsive to the pattern which connects.“ (Gregory Bateson, 1979, S. 8).
Dieser Satz steht als Impulsgeber hinter dem Titel des Vortrags. Er beleuchtet Spielräume des Verbindenden und nutzt zur Orientierung ein bereits bestehendes ökologisches Modell des Person-Welt-Bezugs. Um den Bereich des Ästhetischen – die sinnliche Wahrnehmung und Äußerung, wie sie für die erfahrende Person eine unbedingte Bedeutung erlangt – mit seinem Potenzial und anthropologischen Gewicht zu erfassen, wird dieses Modell aus den Arbeiten der Referentin um die Sphäre der Vorstellungswelten mit ihren spezifischen Inhalten, Orten und Erfahrungen erweitert.
Die individuellen und kollektiven ästhetischen Erfahrungen sind für sich selbst bedeutsam, aber ihre produktive gesellschaftliche Kraft erhalten sie erst in der wechselseitigen Anerkennung und den Netzwerken, in denen diese Art der recognition oder reconnaissance erfolgt. Auf den Haupttitel des Vortrags rückführend können mehrere verbindende Muster benannt werden; die wechselseitige Anerkennung ist darunter ein sehr wichtiges (in der Terminologie von Bateson ein „metapattern“). Um die einzelnen verbindenden Muster zuverdeutlichen, werden auch die kontrastierenden Formen diskutiert, die als „disconnecting patterns“ identifiziert werden und wirksam sind. Im Falle der wechselseitigen Anerkennung sind dies das Unsichtbarmachen, Aberkennen und Verfolgen bis hin zum Vernichten von Artefakten, Personen und Lebewesen aller Art.
Die Einordnung der conncecting patterns in den Kontext der ästhetischen Bildung erfolgt anhand konkreter Beispiele. Die Musikpädagogik ist eine naheliegende Disziplin, um sie aufzuzeigen, in inneren Erfahrungen und kleinen Interaktionen ebenso wie in großen Gruppenprozessen: Die Materialien aus der empirischen Forschung im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung von Response, dem Kompositionsprojekt der HfMDK für Schulklassen, halten viele Szenen und Momente bereit. Einige (nur sehr wenige davon!) werden anhand eines geschnittenen Videodokuments und insbesondere via originalen Sätzen aus Schülerbriefen vorgestellt. – Der Ausblick wird ein weiter sein, die Grenzgänge der Ästhetik, auch diejenigen der Abschied nehmenden Referentin, verlaufen zwischen den Disziplinen und sind transdisziplinär geworden.