RITA - eine Frau, zwei Männer
Zwei Männer kämpfen nicht um eine Frau – sondern darum, sie loszuwerden. Was nach einer turbulenten Komödie klingt, entpuppt sich in Gaetano Donizettis (1797-1848) RITA als überraschend vielschichtiges Spiel über Liebe, Macht und Selbstbestimmung.
Das szenische Abschlussprojekt der Masterstudierenden Siyoun Ko (Rita), Dakai Wei (Beppe) und Dongsu Lee (Gasparo) im Studiengang Gesang Musiktheater der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt (HfMDK) bringt den Belcanto-Einakter mit Witz, psychologischem Feingefühl und aktuellem Blick auf die Bühne des HfMDK-Opernstudios.
Eine besondere Doppelrolle übernimmt dabei Dakai Wei: Er zeichnet sowohl für die Regie verantwortlich als auch für die Partie des Beppe. Im Zentrum seiner Inszenierung steht die Frage, wie Liebe gelingen kann, ohne dass Menschen sich selbst verlieren. „Ich glaube, dass man nur dann einen anderen Menschen wirklich lieben kann, wenn man auch sich selbst liebt und achtet. Wer sich ausschließlich für den anderen aufopfert, verliert irgendwann sein eigenes Ich“, sagt der Regisseur.
Die Geschichte scheint zunächst einfach: Rita führt erfolgreich ein Gasthaus in Turin. Nachdem ihr gewalttätiger erster Ehemann Gasparo für tot gehalten wird, beginnt sie mit ihrem zweiten Mann Beppe ein neues Leben. Doch als Gasparo plötzlich zurückkehrt, gerät das sorgsam austarierte Gefüge aus den Fugen. Aus dem vermeintlichen Eifersuchtsdrama entwickelt Donizetti eine rasante Buffa voller überraschender Wendungen – und mit jeder Menge musikalischem Esprit.
Für Dakai Wei liegt die eigentliche Spannung jedoch hinter der Komödie. Die Figuren seien komplexer, als das Libretto auf den ersten Blick vermuten lasse: Rita kämpft nach traumatischen Erfahrungen um Kontrolle, Beppe ordnet sich aus Liebe bedingungslos unter, und Gasparo beginnt erst allmählich zu erkennen, welche Folgen sein früheres Verhalten hatte. „Keiner von ihnen ist nur gut oder nur böse. Jeder liebt – aber jeder liebt auf seine eigene Weise. Gerade diese unterschiedlichen Formen der Liebe machen die Figuren menschlich und glaubwürdig."
Zugleich setzt sich die Inszenierung bewusst mit den historischen Geschlechterbildern des 1841 entstandenen Werks auseinander. Aussagen des Librettos, die Gewalt in der Ehe als selbstverständlich erscheinen lassen, werden nicht entschärft oder übergangen. „Ich wollte nicht zeigen, dass Gasparo recht hat, sondern verstehen, warum er so denkt“, erklärt Dakai Wei. „Gerade diese Denkweise wollte ich sichtbar machen, ohne sie zu rechtfertigen. Dadurch kann das Publikum erkennen, wie sehr sich unser Verständnis von Liebe, Respekt und Gleichberechtigung verändert hat.“
Musikalisch zeigt sich RITA als Belcanto in seiner konzentriertesten Form: Drei Solopartien, drei Duette und ein Terzett entfalten innerhalb einer knappen Stunde Donizettis ganze Meisterschaft zwischen virtuoser Leichtigkeit und feiner Charakterzeichnung. Begleitet wird die Produktion von einem Kammerorchester mit Instrumentalist*innen der HfMDK unter der musikalischen Leitung von Anton Förster.
Die Aufführung steht exemplarisch für den Masterstudiengang Gesang Musiktheater der HfMDK. Die Ausbildung verbindet Gesang, szenische Darstellung, Ensemblearbeit, Körperarbeit und dramaturgisches Denken in einem praxisnahen Studienkonzept, das regelmäßig in öffentlichen Produktionen mündet. Kooperationen mit Theatern der Region und der Hessischen Theaterakademie sowie eine intensive individuelle Förderung bereiten die Studierenden gezielt auf den professionellen Musiktheaterbetrieb vor. 2011 wurde die Gesangsabteilung der HfMDK mit dem Hessischen Exzellenzpreis für Hochschullehre ausgezeichnet.

Rita und Beppe_1

Rita und Gasparo_1

Rita und Beppe_2




