Jesper Bøje Christensen in memoriam

Unterrichtssituation
(Photo: Janine Bächle)
pressemitteilung

Mit gro­ßer Trau­er neh­men wir Ab­schied von Je­s­per Bøje Chris­ten­sen, der am 8. Juli 2026 im Al­ter von 81 Jah­ren ver­stor­ben ist. Mit ihm ver­liert die Welt der Mu­sik eine ih­rer prä­gen­den Per­sön­lich­kei­ten. Als in­ter­na­tio­nal re­nom­mier­ter Cem­ba­list, Ge­ne­ral­bass-Spe­zia­list, Mu­sik­for­scher und Leh­rer hat er das Ver­ständ­nis his­to­ri­scher Auf­füh­rungs­pra­xis nach­hal­tig ver­än­dert und Ge­ne­ra­tio­nen von Mu­si­ker*in­nen in­spi­riert.

Die Hoch­schu­le für Mu­sik und Dar­stel­len­de Kunst Frank­furt (HfMDK) trau­ert um ei­nen hoch­ge­schätz­ten Kol­le­gen, des­sen fach­li­che Au­to­ri­tät eben­so be­ein­druck­te wie sei­ne Mensch­lich­keit, Be­schei­den­heit und sein fei­ner Hu­mor.

»Wenn man sich den idealen Musiker wünscht, der Forschen und Nachdenken über Musik, Wissen über Ästhetik und historische Zusammenhänge, Souveränität am Instrument, Spontanität und Ensembleesprit, ansteckende Leidenschaft und eine unerschütterliche Menschlichkeit zusammenbringt – dann war Jesper Christensen ein solcher Musiker und als Lehrer ein Vorbild. Ein Weltbürger, zuletzt viele Jahre beheimatet bei uns an der HfMDK. Wir sind dankbar, dass wir von ihm lernen konnten. Wir denken an seine Familie.«Hochschulpräsident Prof. Elmar Fulda

Ge­bo­ren am 3. De­zem­ber 1944 in Ko­pen­ha­gen, wid­me­te Je­s­per Bøje Chris­ten­sen sein Le­ben der Er­for­schung, Ver­mitt­lung und künst­le­ri­schen Pra­xis der Al­ten Mu­sik. Sein Name ist un­trenn­bar mit der Er­neue­rung des Ver­ständ­nis­ses des Ge­ne­ral­bas­ses ver­bun­den. Sein Un­ter­richt war ge­prägt von der Über­zeu­gung, dass his­to­ri­sche Auf­füh­rungs­pra­xis weit mehr be­deu­tet als die An­wen­dung sti­lis­ti­scher Re­geln. Er ver­mit­tel­te sei­nen Stu­die­ren­den ein tie­fes Ver­ständ­nis für den Geist ei­ner Epo­che – für Stil, Af­fek­te, Tanz, Rhe­to­rik und mu­si­ka­li­sche Spra­che – und ver­band his­to­ri­sche Quel­len mit künst­le­ri­scher Frei­heit. Die­ser An­satz prägt das Mu­si­zie­ren und Leh­ren zahl­rei­cher ehe­ma­li­ger Stu­die­ren­der bis heu­te.

Auch an der HfMDK hin­ter­ließ Je­s­per Bøje Chris­ten­sen blei­ben­de Spu­ren. Über mehr als drei Jahr­zehn­te be­rei­cher­te er die Hoch­schu­le mit Work­shops und sei­ner re­gel­mä­ßi­gen Lehr­tä­tig­keit und präg­te Ge­ne­ra­tio­nen von Stu­die­ren­den.

»Wie kein anderer der aufführungspraktischen Pioniere seiner Generation konnte Jesper Christensen wirkmächtig vermitteln, wie sehr Intellekt und Intuition – in diesem Falle skrupulöse Quellenforschung auf der einen und tönende Interpretation auf der anderen Seite – sich nicht gegenseitig behindern oder ausschließen, sondern geradezu bedingen, und in welch hohem Maße kompromissloser Anspruch an die eigene Arbeit und das Ziel eines beglückenden künstlerischen Resultats miteinander in Verbindung stehen. Als echter Europäer – von Geburt Skandinavier, danach wohnhaft in den USA, Italien, Österreich, der Schweiz und Deutschland –, ausgestattet mit unermesslichem Wissen, durchdrungen von künstlerischen Visionen und begabt mit pädagogischen Zauberkräften, schenkte er unzähligen Musikerinnen und Musikern lange nachhaltende Inspiration. Ich weiß, dass es Vielen so erging wie mir: Jahre nach Beendigung des eigenen Studiums und mitten im Beruf bewirkte die Begegnung mit Jesper die Erkenntnis, wie sehr es sich lohnt, als gesichert Gehaltenes von Grund auf immer wieder neu zu bedenken! Jesper Christensen fehlt uns und ist nicht zu ersetzen!«Prof. Michael Schneider
»Ich persönlich trauere um einen engen Freund, dessen menschliche Wärme und Bescheidenheit mich tief berührt und bereichert haben. Er hat mich in unzähligen Facetten der Musik und des Lebens gelehrt und inspiriert. Gemeinsam mit meinen Kolleg*innen und unseren Studierenden trauere ich um einen außergewöhnlichen Menschen und hoffe, die Werte, für die er stand, in seinem Sinne weitertragen zu können. Mein tief empfundenes Mitgefühl gilt seiner Familie, insbesondere seiner Frau Prof. Eva Maria Pollerus und seinem Sohn Valentin. In tiefer Dankbarkeit verneige ich mich vor Jesper Christensens Lebensleistung – als Mensch, als Musiker und als Lehrer.«Prof. Oliver Kern, HfMDK-Klavierprofessor und langjähriger Kollege

Die HfMDK wird Je­s­per Bøje Chris­ten­sen in dank­ba­rer Er­in­ne­rung be­hal­ten. Sein Ver­mächt­nis lebt in der Mu­sik, in der Leh­re und in den vie­len Men­schen fort, die er ge­prägt hat.

Un­ser tief emp­fun­de­nes Mit­ge­fühl gilt sei­ner Fa­mi­lie und al­len, die ihm ver­bun­den wa­ren.

Die Trau­er­fei­er fin­det am Mon­tag, den 20. Juli 2026 um 14.15 Uhr in den Räum­lich­kei­ten des Haupt­fried­hofs in Frank­furt am Main statt. Alle die sich per­sön­lich von Je­s­per Bøje Chris­ten­sen ver­ab­schie­den möch­ten, sind herz­lich will­kom­men.

Unterrichtssituation

Jesper Bøje Christensen