Häusliche Gewalt im Alltag: Making a scene
Es passiert jeden Tag und zumeist im persönlichen Nahraum, also in vertrauter Umgebung. Mal passiert es laut, mit körperlichen bzw. sexualisierten Übergriffen – sehr häufig jedoch leise und perfide, mit psychischer, ökonomischer bzw. digitaler Machtausübung: häusliche Gewalt. Lisa Edith Freiberger studiert im Diplom Schauspiel an der HfMDK und hat Kontakt zu Menschen, die selbst häusliche Gewalt erlebt haben, aber auch zu Sozialarbeiter*innen, die im Opferschutz arbeiten. So entstand bei ihr früh der Wunsch, sich im Rahmen ihrer Diplomarbeit künstlerisch mit diesem wichtigen und zugleich schwierigen gesellschaftlichen Thema auseinanderzusetzen.
Authentizität durch vielschichtige Recherche
Die Sammlung authentischer Erfahrungen basiert bei Lisa Edith Freiberger auf zahlreichen persönlichen Gesprächen, die sie mit Betroffenen und Mitarbeitenden in Hilfseinrichtungen führte. Zudem erhielt sie wertvollen Input durch einen speziell für ihre Diplomarbeit entwickelten Fragebogen, den sie an verschiedene hessische Frauenhäuser verschickte.
Im Mittelpunkt der finalen Fassung von „making a scene“ stand ein selbstverfasster und gespielter Monolog, der die Opfer häuslicher Gewalt zu Wort kommen lässt. Eingerahmt wurde der Monolog durch eine Choreografie mit sechs Tänzerinnen zu dem Lied „Je t’accuse“ („Ich klage an“) von Suzane sowie dem Song „labour“ („Arbeit“) von Paris Paloma, der von einer Musikerin live begleitet wurde.
Der 20-minütigen Performance im Innenhof der Hochschule folgte ein Nachgespräch im Schauspielstudio, aus dem Lisa Edith Freiberger wichtige Erkenntnisse für die künftige Weiterentwicklung ihrer Performance ziehen konnte. Zudem beeindrucke sie das Publikumsfeedback. Die erhaltenen Rückmeldungen – gerade auch von Männern 1) – machten deutlich, dass das gewählte Thema und die Form der Präsentation Spuren hinterlassen haben.
» In Zukunft möchte ich diese Performance weiterentwickeln, vor allem in Österreich, wo ich mittlerweile wieder lebe. Mein Wunsch wäre, in Städten und Dörfern unterwegs zu sein, um wirklich Aufmerksamkeit für dieses wichtige Thema zu generieren. Häusliche Gewalt ist etwas Alltägliches, daher sollte Kunst über dieses Thema auch im Alltag gemacht werden. Ich hoffe sehr, dass sich Wege finden lassen, diese Arbeit weiterzuführen und immer mehr Menschen zu erreichen. «Lisa Edith Freiberger, Diplom Schauspiel

Der gesamte Arbeitsprozess rund um ihr Diplom war für die gebürtige Tirolerin ein großer persönlicher Gewinn. Abgesehen davon, dass sie ihre Spielkompetenz erweitern konnte, hat sie gelernt, eine Gruppe anzuleiten – was ihr nach eigenem Bekunden anfangs schwergefallen ist. Auch das Schreiben und Performen eigener Texte war eine neue und wesentliche Erfahrung.
Fußnote
1) Nach den aktuell verfügbaren Zahlen für Deutschland sind bei häuslicher Gewalt rund 70,4% der Opfer Frauen (Täter: Männer) und 29,6% der Opfer Männer (Täter: Frauen). Quelle: Lagebild Bundeskriminalamt für 2024
Die HfMDK bedankt sich herzlich bei der Gesellschaft der Freunde und Förderer der HfMDK (GFF) für die Unterstützung dieser eindrücklichen Diplomarbeit!




