Die Augen der Mumie Mâ - wenn ein Stummfilm neu zu klingen beginnt
Wenn Stummfilme lebendig werden, entsteht ihre Gegenwart im Klang: Fast 110 Jahre nach seiner Uraufführung erhält Ernst Lubitschs Stummfilm Die Augen der Mumie Mâ eine neue musikalische Stimme. Im Rahmen der langjährigen Kooperation „Stummfilme mit Musikbegleitung“ zwischen der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt (HfMDK) und dem DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum präsentieren Studierende der HfMDK am Mittwoch, 15. Juli 2026, um 18 Uhr eine eigens entwickelte Ensembleimprovisation zu dem expressionistischen Filmklassiker von 1918.
Die neue Filmmusik entstand als Semesterprojekt in der Klasse von Prof. Ralph Abelein. Ausgangspunkt waren eine detaillierte dramaturgische Analyse des Films sowie die Entwicklung expressiver Klangmodule. Daraus erarbeiteten sieben Studierende eine eigenständige musikalische Interpretation, die unterschiedliche Musiktraditionen und Klangkulturen miteinander verbindet und den Stummfilm in einen zeitgenössischen klanglichen Dialog setzt.
Mit Die Augen der Mumie Mâ (Deutschland 1918, 59 Minuten) verließ Ernst Lubitsch erstmals das Terrain der Komödie und schuf eine faszinierende Mischung aus Liebesmelodram, Abenteuerfilm und Thriller.
Der Maler Alfred Wendland reist nach Ägypten und stößt dort auf die geheimnisvolle Grabstätte der Mumie Mâ. Hinter den unheimlichen Augen in einer Grabkammer entdeckt er die junge Mâ, die von dem zwielichtigen Radu gefangen gehalten wird. Wendland befreit sie und bringt sie mit nach Europa, wo sie als Tänzerin zum gefeierten Star wird. Doch Radu folgt ihr – und setzt eine dramatische Kette von Ereignissen in Gang.
Magische Mächte, geisterhafte Erscheinungen und spektakuläre Filmtricks gehörten zu den großen Attraktionen des frühen Kinos. Lubitsch verband diese Motive mit einem exotisch-phantastischen Schauplatz und schuf zugleich den Durchbruch für seine neue Entdeckung Pola Negri, deren geheimnisvolle Ausstrahlung sie zu einem der bedeutendsten Stars des europäischen Stummfilms machte. An ihrer Seite sind Emil Jannings und Harry Liedtke in den Hauptrollen zu sehen.
Die Aufführung zeigt eindrucksvoll, wie lebendig die Auseinandersetzung mit dem filmischen Erbe sein kann: Die neu entwickelte Improvisationsmusik eröffnet ungewohnte Perspektiven auf einen Filmklassiker und macht die kreative Zusammenarbeit zwischen HfMDK und DFF unmittelbar erlebbar.
Gezeigt wird die 2022 von der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung restaurierte Fassung.
Die Augen der Mumie Mâ
Rekonstruierte Farbfassung mit Live-Musikbegleitung
Kooperation des DFF und der HfMDK im Rahmen der Filmreihe „Stummfilm mit Musikbegleitung“
Es musizieren: Yeyoung Lim, Juhee Kim und Vivien Schwarz (Flöte), Dario Moehrke und Thomas Pscheidt (Posaune), Marc Tuschak (Klavier) sowie Anton Wesenick (Trompete).
Musikalische Leitung: Ralph Abelein.
Filmdaten
Regie: Ernst Lubitsch, Deutschland 1918 | 59 Minuten
Drehbuch: Hanns Kräly, Emil Rameau
Kamera: Alfred Hansen
Produktion: PAGU / Paul Davidson
Filmrestaurierung (2022): Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, Wiesbaden
Mit Pola Negri (Mâ), Emil Jannings (Radu), Harry Liedtke (Albert Wendland), Max Laurence (Fürst Hohenfeld)
Mittwoch, 15. Juli 2026
um 18 Uhr
im DFF
Schaumainkai 41, 60596 Frankfurt am Main
Karten: 11,- Euro/ermäßigt 9,- Euro
Tickets hier
Freie Platzwahl
Bitte beachten: Der Film enthält aus heutiger Sicht problematische orientalistische und koloniale Stereotype und wird mit einer kontextualisierten Einführung gezeigt.

Die Augen der Mumuie Mâ
Im Spiegel sieht man mehr als in der Wirklichkeit: Radu (Emil Jannings, Mitte) verfolgt Mâ (Pola Negri, sitzend)